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Joss Whedon:
Man stelle
sich vor, ein TV-Produzent kreiert eine erfolgreiche TV-Serie, die dann nach zwölf
Folgen aus dem Programm geschmissen wird. Unvorstellbar? Joss Whedon ist genau
dies passiert. Der Erfinder der weltweit ungemein erfolgreichen TV-Serie „Buffy“
musste 2002 miterleben, wie seine SciFi-Show „Firefly“, trotz guter
Kritiken, annehmbarer Quoten und einer Ruckzuck gewachsenen Fan-Gemeinde - vom Sender
eingestellt wurde. Immerhin konnte Whedon 2005 einen Spielfim, "Serenity",
in die Kinos bringen, der die Geschichte von „Firefly“ fortsetzte. Am 24.
November des Jahres lief er in Deutschland an, kurz zuvor bekam ich die Möglichkeit,
mit Joss Whedon über seine Arbeit zu sprechen.
Frage: In
den USA, Großbritannien und Australien gehört „Firefly“ zu den
erfolgreichsten TV-Serien, die jemals auf DVD veröffentlicht wurden. Auch im TV
war die Serie erfolgreich. Warum wurde sie abgesetzt?
Whedon: Dank
des „Buffy“-Erfolges erhielt ich einen Vertrag, der mir die künstlerische
Freiheit ließ, eine TV-Serie nach meinem Gusto zu kreieren. Nur hasste der
Sender von Anfang an das Konzept, die Figuren, einfach alles. Aber die Quoten
waren in Ordnung. Also wurde sie ohne Begründung abgesetzt.
Frage:
Klingt seltsam, denn eigentlich geht es den Sendern doch ums Geldverdienen!
Whedon:
Klar, und die Werbekunden mochten „Firefly“. Aber es gibt im amerikanischen
TV-Geschäft nichts Schlimmeres als verletzte Eitelkeiten. Ich habe eine Serie
kreiert, die nach den Vorgaben der Sender normalerweise nie hätte entstehen
geschweige denn ein Erfolg hätte werden dürfen. Aber sie wurde ein Erfolg, das
hat wohl einige Leute gewaltig geärgert.
Frage: Warum
haben Sie die Serie nicht auf einem anderen Sender fortgesetzt.
Whedon: Weil
ich immer Kinofilme machen wollte und nun die Chance gekommen sah, eine ungewöhnliche
SciFi-Story ins Kino zu bringen, denn Universal klopfte an und bekundete
Interesse an einem Kinofilm.
Frage: Der
teilweise ziemlich subversiv ausfällt. Sie kreieren eine Welt, die an den
Wilden Westen angelehnt ist und stellen amerikanische Grundwerte von
grenzenloser Freiheit und der Selbstbestimmung des Individuums in einen Konflikt
zu den Interessen von Großkonzernen, die genau diese Vorstellungen pervertieren
und den Freiheitsdrang der Menschen für eigene Interessen ausnutzen. Die
Einzigen, die dagegen angehen, sind ihrerseits keine Revolutionäre, sondern
eigentlich selbst Kriminelle. Kein sehr schönes Weltbild.
Whedon: Seit
Reagan versuchen amerikanische Regierungen den Amerikanern eine Welt zu
vermitteln, in der Gut und Böse streng getrennt sind. Wir sind die Guten, wer
nicht auf unserer Seite steht, ist böse. Das Denken wird in meiner Heimat in
Schubladen gepresst und die Menschen, die dies hinterfragen, die andere
Meinungen vertreten, werden zum Beispiel als unpatriotisch bezeichnet. Gerade
die Mitte der Gesellschaft wird zu Konformität gedrängt, denn sie ist das Rückgrad
Amerikas. Sie ist es, die auf Staats-Linie gehalten werden muss, denn sie ist
eben auch für das Funktionieren der Wirtschaft das A und O. Daher, glaube ich,
werden Veränderungen nicht unbedingt aus dieser Mitte her kommen, sondern von
den Rändern. Wie in meinem Film.
Frage: Joss
Whedon – ein Revoluzzer?
Whedon
(lacht): Nein, bestimmt nicht. Ich gehöre nur zu denen, die sich Sorgen über
bestimmte Entwicklungen in meinem Land machen. Wie viele, viele andere Menschen
übrigens auch, abgesehen davon, dass dies auch schon zu spüren ist. Die
Tendenz geht wieder dorthin, Dinge zu hinterfragen. Daher kann ich nur bitten:
gebt uns Zeit!
Frage: Grautöne
spielen in Serien wie „Buffy“ und „Angel“ eine große Rolle, in „Serenity“
sowieso. Was interessiert sie an dem Spiel von Gut und Böse?
Whedon: Das
Böse schlummert in uns allen. Es wäre vermessen zu behaupten, ein Mensch sei
nur gut oder nur böse. Ich habe stets darauf Wert gelegt, dass die Ziele der
Figuren in meinen Serien und Filmen, nachvollziehbar bleiben. Auch die Ziele der
Bösen. Der Held in der schimmernden Rüstung hat mich nie interessiert. Ich
interessiere mich eher für den Helden, der sich, um Gutes zu erreichen, auch
mal die Hände schmutzig macht.
Frage: Sie
sind eine Ikone des Fantasy-Genres.
Whedon: Das
will ich hoffen, immerhin übe ich seit meinem fünften Lebensjahr regelmäßig
meine Oscar-Dankesrede. Ich habe zu Beginn meiner Karriere nicht damit
gerechnet, mich wirklich in diesem Metier austoben zu dürfen. Es war zwar mein
Ziel, aber ich kannte den Job, da meine Familie familiär mit dem Fernsehgeschäft
verwachsen ist und ich weiß, dass Karrieren meist ganz anders verlaufen als man
dies plant und man nur selten das machen darf, was man auch machen will. Aber
mit einer Serie wie „Buffy“ im Rücken ist vieles einfacher geworden.
Frage:
Inwiefern?
Whedon: Ich
habe beim Dreh von „Serenity“ so gut wie keine Vorgaben vom Studio bekommen,
weil ich mir als TV-Produzent eine kleine Hausmacht erarbeitet habe.
Interessanterweise haben Fernsehmacher als Kreative inzwischen mehr Freiheiten
als Kinomacher. Das war noch vor zwei, drei Jahren ganz anders. „Firefly“
ist ein Beleg dafür.
Frage: Wie
kommt das?
Whedon:
Fernsehen ist zurzeit einfacher Kreativer. Die Autoren sind einfach besser.
Hinzu kommt, dass viele Kinoproduzenten momentan fürchterlich Angst vor Flops
haben. Kaum ein Film erfüllt seine Erwartungen an den Kinokassen, die Studios
brauchen das Fernsehen, um Geld zu verdienen.
Frage: Und
trotzdem sind Sie als erfolgreicher TV-Macher ins Kino gewechselt?
Whedon: Das
Kino war ja immer mein Traum und ich habe als Autor auch für eine Reihe von
Filmen gearbeitet. Nun konnte ich endlich meine eigene Vision umsetzen. Außerdem
ist es cool einen Film zu schreiben. Im Fernsehen habe ich für eine Geschichte
zehn, elf Folgen Zeit, um sie sich entwickeln zu lassen. Im Kino habe ich 120
Minuten für die Geschichte, die Charaktere, den Humor, die Action. Ich muss
viel genauer auf einen Punkt hin arbeiten. Und wenn mir das gelingt, wird dies
vom Publikum honoriert.
Frage: Wird
es eine „Serenity“-Fortsetzung im Kino oder im Fernsehen geben?
Whedon: Ich
habe einen Vertrag über drei Kinofilme. Ob einer davon „Serenity 2“ heißen
wird, weiß ich noch nicht. Aber eine TV-Serie werde ich aus dem Stoff nicht
machen.
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Katee Sackhoff:
Katee Sackhoff schmiss ihr
Studium, um Schauspielerin zu werden. Sie arbeitete als Kellnerin, um über die
Runden zu kommen. Bereuen muss sie ihre Entscheidung nicht, denn seit 2002 steht
sie bei den Produzenten von „Battlestar Galactica“ unter Vertrag. Damit ist
sie ein TV-Star. Zumindest unter Genrefans. In Deutschland ist vor allem den Käufern
der „Battlestar Galactica“-DVDs bekannt, die hierzulande zu den Top-Titeln
der Fernsehserien-DVD-Auswertungen gehören. Nun erscheint mit „White Noise
2“ auch ein Spielfilm mit der herben Aktrice auf direkt auf DVD. Im wahrsten
Sinne zwischen dem Dreh von zwei Szenen stand mir die 1980 in Oregon geborene
Schauspielerin im Mai 2007 für ein Interview zur Verfügung. Nicht gerade zur
Begeisterung des Aufnahmeleiters, der immer wieder auf den engen Terminplan
verwies.
FRAGE: Man kann Sie demnächst
in dem Horrorfilm „White Noise 2“ sehen, der aber wohl inhaltlich wenig mit
dem ersten Teil zu tun haben wird!
SACKHOFF: Na ja, ich habe mir
den ersten Teil angeschaut und mit dem zweiten nun verglichen. Da gibt es nicht
allzu viele Übereinstimmungen. Aber der erste Teil hat wohl inzwischen einen
ganz guten Namen unter Genrefans und davon wollen die Produzenten wohl
profitieren. Das ist das Geschäft. Und ich finde unseren Film richtig gut!
FRAGE: Ihr Geschäft ist seit
Jahren „Battlestar Galactica“. Es geht das Gerücht um, dass die aktuell
produzierte vierte Staffel die letzte sein wird.
SACKHOFF: Traurigerweise muss
ich das bestätigen. Aber ich stehe hinter der Entscheidung der Produzenten. Man
darf zwei Faktoren nicht vergessen: „Battlestar Galactica“ ist eine Serie
mit einer großen Fangemeinde, aber mit nur mittelprächtigen Einschaltquoten in
den USA. Und Quoten sind nun einmal der Faktor, auf den Fernsehsender schauen.
Auf der anderen Seite ist die Serie relativ teuer. Also haben sich die
Produzenten dazu entschieden, die Serie in dem Moment zu beenden, in dem alle
Storylines auf den großen Höhepunkt zulaufen, um sie auf diesem Höhepunkt zu
beenden. Das ist durchaus mutig, denn eine kostenreduzierte fünfte Staffel würde
sich für die Produzenten durchaus im späteren Verkauf auf dem freien
Fernsehmarkt rentieren. Aber sie wollen die Serie nicht über eine fünfte
Spielzeit hinaus quälen, statt dessen soll sie bei den Fans positiv in
Erinnerung bleiben. Mehr kann ich dazu aber leider nicht sagen. Wie läuft „Battlestar
Galactica“ eigentlich in Deutschland?
FRAGE: Im Fernsehen haben wir
bislang nicht einmal die zweite Staffel zu sehen bekommen, sie wird immer wieder
verschoben. Der ausstrahlende Sender steht leider mehr auf Formate wie „Big
Brother“.
SACKHOFF: Mein Gott, das tut
mir echt Leid. Aber es gibt die Serie doch bestimmt auf DVD, oder?
FRAGE: Ja, aber leider auch
erst zwei Staffeln. Sie interessieren sich für Deutschland – Sackhoff ist ja
ein deutscher Name...
SACKHOFF: Ich fange gerade
erst an mich für das Land meiner Vorfahren zu interessieren. Ich bin ja
Amerikanerin und als Amerikanerin war ich bislang nicht sonderlich an Geschichte
interessiert (lacht). Aber ich merke doch langsam, dass ich mehr über meine
Wurzeln erfahren möchte. Nicht nur mein Vater, auch meine Mutter ist deutscher
Herkunft und daher wüsste ich schon gerne mehr darüber, woher meine Vorfahren
kamen, warum sie auswanderten...
FRAGE: Sie selbst leben in
Kanada?
SACKHOFF: Nein, in Los
Angeles. Aber seit 2003 verbringe ich die meiste Zeit des Jahres in Kanada, weil
hier „Battlestar Galactica“ gedreht wird.
FRAGE: Da bleibt für ein
Privatleben wenig Zeit.
SACKHOFF: Wäre es nicht eine
Schande, wenn es wirklich so wäre? Bislang habe ich meinen Job und mein
Privatleben eigentlich ganz gut miteinander verschmelzen können, nur meinen
Freund vermisse ich oft sehr. Eine Beziehung zu führen ist an sich schon hart,
aber wenn auch noch 2000 Meilen dazwischen liegen, ist es noch härter.
FRAGE: Nun spielen Sie in
Kanada eine Rolle, die in der Ur-Serie von einem Mann dargestellt wurde. Als die
ersten Gerüchte im Internet aufkamen, dass Starbuck von einer Frau gespielt würde,
kam es zu einem wahren Proteststurm, der sich inzwischen gelegt hat...
SACKHOFF: Weil viele Leute
glauben, ich sei in Wahrheit ein Mann (lacht). Ich bin aber wirklich eine Frau,
ehrlich. Inzwischen hat sich aber wohl auch herumgesprochen, dass das Konzept
der neuen Serie etwas anders aussieht als das der Originalserie. Und ich glaube,
die Ur-Fans haben gelernt mit diesem Unterschied zu leben und sie können
akzeptieren, dass sich die Zeiten etwas geändert haben.
FRAGE: Obschon Sie nicht die
erste Wahl für die Rolle gewesen sein sollen?!
SACKHOFF: Ich habe das erste
Drehbuch im Dezember 2002 erhalten. Da war ich 22 Jahre alt. Ich bin dann zum
Vorsprechen gegangen, aber wurde direkt abgelehnt, weil ich zu jung erschien und
die Produzenten glaubten, dass ich nicht taff genug sei. Na ja, ich habe dann
aber trotz allem für die Rolle vorgesprochen, wurde zu fünf Castings
eingeladen und immer wieder abgelehnt, bis ich beim sechsten Vorsprechen die
Rolle bekam.
FRAGE: Woher kam der
Sinneswandel?
SACKHOFF: Ich habe alles der
Frau unseres Produzenten David Eick zu verdanken, die hat mich gesehen und zu
ihrem Mann gesagt – „gib der Kleinen eine Chance, sie ist heiß auf die
Rolle“.
FRAGE: Die nächste Serie
steht schon in den Startlöchern: „Bionic Woman“, das Remake von „Die
6-Millionen-Dollar-Frau“. In der ersten Staffel sind Sie bereits einmal
aufgetreten; da hinter der Serie einige Produzenten aus dem „Galactica“-Umfeld
stehen, ist dies sicher kein Zufall?!
SACKHOFF: Nun, zunächst
einmal muss man abwarten, wie sich die Serie entwickeln wird. Ich habe parallel
an „Galactica“ und der „Bionic Woman“-Episode gearbeitet, was sich
terminlich kaum vereinbaren ließ. Aber es ist auf jeden Fall vorgesehen, dass,
wenn die Serie eine volle Staffel erhält, ich möglicherweise eine
wiederkehrende Rolle spielen werde. Zumindest ist es angedacht. Außerdem würde
es ja gut zu mir passen, es wäre das zweite 70er-Jahre-Serienremake. Und bis
ich 60 bin, spiele ich mich dann von Remake zu Remake durch. Heute als die taffe
Actionheldin, morgen als taffe Action-Oma. Das klingt nach einem richtig guten
Image...
Aus
dem Hintergrund erschallt die Stimme des Aufnahmeleiters. Katee Sackhoff
versucht die Stimme zu ignorieren und unser Gespräch fortzusetzen. Doch
unerbittlich wird sie wieder ans Set beordert. Ihre Viper wurde frisch
hergerichtet, das Kamerateam wartet auf sie.
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