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Am 2. September 1999 startete Sönke Wortmanns Film ST. PAULI NACHT in den deutschen Kinos. Mit dem Regisseur, der einst mit KLEINE HAIE seinen Durchbruch feierte, unterhielt ich mich
kurz vor der Deutschlandpremiere des Filmes in Köln über seinen - damals
- neuen Film.
Frage: Obwohl die Geschichte alles andere als konventionell erzählt ist, so werden die Geschichten nicht in der Reihenfolge ihres Geschehens, sondern in der Reihenfolge ihrer Gewichtung gezeigt, wirkt der Film von seiner handwerklichen Seite aus betrachtet, eher konservativ und wenig verspielt.
Wortmann: Gestern hat man mir noch gesagt, der Film sei inszenatorisch voll im Trend und alles andere als konservativ. So können Meinungen auseinander gehen. Aber ich arbeite schon eher konservativ und scheue mich vor Mätzchen. Vielleicht bin ich so weit hinten dass ich in Wirklichkeit schon wieder ganz vorne bin. Aber ernsthaft: Die schönsten inszenatorischen Spielereien können den Schauspieler nicht ersetzen.
Der Star ist der Schauspieler, nicht die Kamera?
Exakt..
Dennoch legen Sie sehr viel Wert auf Perspektiven und Ausleuchtung, mehr als die meisten anderen Regisseure in Deutschland.
Die Qualität eines Filmes basiert in erster Linie - abgesehen vom Drehbuch - auf den Schauspielern. Die Kamera muss sich den Schauspielern unterordnen, das ändert nichts daran, dass ein Film auch entsprechend aussehen muss. Wir haben bei "St.Pauli Nacht" viel Wert auf die Vermeidung von Klischee-Farben gesetzt. So wirkt der Film stets etwas dreckig, es gibt viel grün und gelb, aber fast kein rot, obwohl man dies eigentlich von St. Pauli erwarten würde. All das sind Dinge, die einen Film abrunden und ihm Atmopshäre verleihen. Und dies geht nur mit der Kamera. Dennoch sollte der Stil nie über den Inhalt siegen.
Was hat Sie an der Vorlage, dem Roman von Frank Göhre, der auch das Drehbuch verfasst hat, gefallen?
Zum einen hatte ich einen solchen Film noch nie gemacht. Dann las ich das Buch Drehbuch zu einer Zeit, als ich viele Drehbücher bekam, die mir alle nicht gefielen. Bei "St. Pauli Nacht" war das anders. Ich fing es an zu lesen, hatte mich gerade an meine Hauptfigur gewöhnt - und plötzlich wird die nach einer Viertelstunde weggeballert. Ich dachte, hey, was ist das denn? Und jetzt wollte ich unbedingt wissen, wie die Geschichte ausgeht und wußte, das dies mein neuer Film würde.
Viele der Geschichten laufen parallel, beeinflussen sich aber dennoch zeitlich auf vollkommen verschiedenen Ebenen, das Ensemble des Filmes ist groß. Hatten Sie keine Angst, den Handlungsfaden zu verlieren?
Nein, eigentlich nicht, denn wenn ich anfange zu drehen, habe ich den fertigen Film eigentlich schon im Kopf. Da gibt es zu anderen Filmen keinen Unterschied. Das Problem war der Schnitt, die Nachbearbeitung, weil es durchaus möglich gewesen wäre, die Sequenzen vollkommen anders zusammenzuschneiden. Es war schwierig, das Gleichgewicht des Filmes zu finden, denn eine Sequenz an der falschen Stelle hätte den gesamten Film gekippt. Das heißt, war eine Schnittfassung fertig, musste ich den gesamten Film schauen. Habe ich eine Szene umgeschnitten - musste ich wieder den wieder den gesamten Film schauen. Viele Szenen sind erst im Schnitt in dieser Form entstanden. Es gibt einige Szenen, die ursprünglich an ganz anderen Stellen stehen sollten und an diesen Stellen im Drehbuch wunderbar funktionierten, im Rohschnitt dann aber dennoch deplaziert wirkten.
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