|
Der folgende Text entstand für
ein Buch-Projekt, das während der Arbeit an den Texten vom Verlag zurückgezogen
wurde. Aus diesem Grund habe ich den Text nicht redigiert, Fehler welcher Art
auch immer bitte ich zu entschuldigen. Die Daten beziehen sich auf Februar 2009.
HERNE
Herne ist klein. Seine
Stadtfläche verteilt sich auf gerade einmal 51,4 Quadratkilometer.
Castrop-Rauxel nebenan kann immerhin mit 51,7 km² aufwarten, eine Stadt wie
Datteln mit ihren 66,1 km² erscheint da fast schon riesig. Während Datteln
jedoch gerade einmal auf 36.000 Einwohner kommt und sich im flächenmäßig
kleinerem Castrop-Rauxel immerhin 76.600 Einwohner tummeln, sind es in der Stadt
mit der kleinsten Fläche 168.500! Herne ist also eigentlich groß – Großstadt
eben. Zumindest in Bezug auf seine Einwohnerschaft. Bis zur Eingemeindung 1975
galt der heutige Ortsteil Wanne-Eickel sogar als am dichtesten besiedelte Stadt
Europas! Heute sind in Bezug auf Größe und Bevölkerung nur München und
Berlin dichter besiedelt als Herne. Und dann ist die Stadt auch noch männerfeindlich.
Schreibt zumindest Men’s Health. 2004 führte das Magazin eine Umfrage
zum Thema Männerfreundlichkeit durch. Nach welchen Kriterien die Umfrage
stattfand, nun, das lässt sich für den Außenstehenden nicht wirklich ergründen.
Ist aber auch egal, denn das vernichtende Urteil für Herne spricht auch ohne
eine tiefgreifende Analyse Bände. Oder etwa nicht? Was bedeutet Männerfeindlichkeit?
Herne hat Baumärkte, die Stadien vom VfL Bochum, S04 und der Dortmunder
Borussia sind allesamt in maximal 25 bis 30 Minuten Minuten zu erreichen und ist
es so schlimm, dass der Herner Mann seinen Boliden in der Fußgängerzone nicht
mit 180 Sachen über den Asphalt heizen kann? Herne ist nämlich die
verkehrssicherste Stadt in Deutschland.
Was beim Flanieren durch die
Herner Innenstadt ins Auge fällt ist die überraschend gut erhaltene
Baustruktur. Die Bausünden der 1960-er Jahre halten sich, zumindest im Bereich
der Fußgängerzone, in Grenzen. Da Herne nie eine Fachwerkhausstadt gewesen
ist, sondern erst im Zeitalter der Industrialisierung eine rasante Entwicklung
nahm, hat sich dies auch in der architektonischen Entwicklung der Stadt
niedergeschlagen. Ein Gang durch die Innenstadt von Herne lässt zumindest
erahnen, wie Architektur im Ruhrgebiet vor dem Zweiten Weltkrieg ausgesehen hat.
Da die Herner Innenstadt also von allzu schäbigen Bausünden verschont
geblieben ist, hält sich seltsamerweise im Umland das Gerücht, Herne habe im
Zweiten Weltkrieg verhältnismäßig wenig Schaden genommen. Was heißt da verhältnismäßig?
Herne wurde Ziel von 64 Luftangriffen. Zugegeben, das benachbarte Wanne-Eickel
erlebte 92 Angriffe und musste mehr als doppelt so viele Tote hinnehmen wie das
benachbarte Herne. Aber es gibt Vergleiche, die sich letztlich verbieten. So
starben allein beim Angriff auf die Zeche Friedrich der Große III/IV 100
Menschen, darunter viele Frauen und Zwangsarbeiter, weitere 60 wurden schwer
verletzt.
Den Moment des Aufstiegs vom
Dorf zur Industriestadt, er lässt sich in Herne vergleichsweise genau auf das
Jahr 1847 datieren. Mit der Eröffnung der Köln-Mindener Eisenbahn befanden
sich Herne und vor allem das benachbarte Wanne-Eickel plötzlich direkt am
wichtigsten Industriegüterverkehrspunkt seiner Zeit. Mit der Errichtung der
Zeche Shamrock 1856 beginnt das Zechenzeitalter in der Geschichtsschreibung, spät
im Vergleich zu den weiter südlichen gelegenen Städten des Ruhrtals. Es
verwundert daher auch nicht, dass Herne erst 1897 die Stadtrechte verliehen
bekam. Das rasante Wachsen des ehemaligen Dorfes machte diesen Schritt
notwendig, er sicherte Herne allerdings auch die eigene Unabhängigkeit und
verhinderte in späteren Jahren etwa eine Eingemeindung durch die weitaus größeren
Städte Bochum oder Gelsenkirchen. Statt dessen fusionierten Herne 1975 mit
besagtem Wanne-Eickel. Was bis heute nicht von allen Bürgern Wanne-Eickels als
eine Fusion betrachtet wird, sondern eher als eine Art feindliche Übernahme
(auf die Fusion wird dieser Text noch einmal zu einem späteren Zeitpunkt
eingehen!).
Doch seien wir fair: Ob
zusammen oder getrennt, die wirtschaftliche Lage sähe für keine der beiden
Gemeinden, wären sie denn noch beide selbstständig, heute rosig aus. Bei einer
Arbeitslosenquote von 13 Prozent (Stand: Februar 2009) gehört Herne zu den Städten
mit der höchsten Arbeitslosenquote im Revier. Dies macht sich in einigen
Stadtvierteln sichtbar bemerkbar. Herne ist wahrlich keine reiche Stadt, weder
in „Alt-Herne“ oder dem ehemaligen Wanne-Eickel.
Herne wurde einst als Stadt
der Bohrhämmer bezeichnet, da die Firma Otto Heinrich Flottmann bzw. die
Flottmann-Werke 1904 das Reichspatent für den „Druckluft-Bohrhammer mit
Kugelsteuerung und selbsttätiger Umsetzung“ erhielt und als Bergbauzulieferer
hoch technologisierten Maschinenbau in Herne ansiedelte. Trotz der durch und
durch dichten Besiedlung und damit einhergehend Bebauung der Stadt, ist es um so
erstaunlicher, dass rings um Herne herum einige Grünanlagen existieren, von
denen eine, der Gysenbergpark, sogar weit über die Grenzen der Stadt hinaus
Popularität erlangt hat.
Na gut, eigentlich muss man
eine Unterscheidung treffen zwischen dem Gysenberger Wald und dem angegliederten
Gysenbergpark, Ortsfremde schmeißen die beiden Begrifflichkeiten gerne
durcheinander. Der Gysenberger Wald grenzt im Süden, an den so genannten
Castroper Höhen, an Bochum. Das Wegenetz des Waldes ist gut ausgebaut – und
zwar für Spaziergänger, Jogger, Radfahrer und Reiter gleichermaßen. Ihm
angegliedert ist nun der Gysenbergpark, der 1970 als Revierpark angelegt worden
ist. Er ist der älteste der insgesamt fünf Revierparks im Ruhrgebiet [weitere
Parks sind der Revierpark Nienhausen, Gelsenkirchen/Essen (1972), der Revierpark
Vonderort, Oberhausen/Bottrop (1974), Revierpark Wischlingen, Dortmund (1976)
und Mattlerbusch, Duisburg (1979)].
Der im Stadtteil Sodingen
gelegene Park erstreckt sich nicht nur über 31 Hektar, er bietet ein Wellenbad
mit Saunalandschaft, Lago genannt, eine Sporthalle, eine Eishalle, das
Kinderspielhaus Pfiffikus, eine Gokartbahn, eine Minigolfanlage, Teiche für
Ruderbootfreunde, ein Hallensportzentrum und mehr. Im Tierpark Gysenbergpark
erleben Stadtkinder Tiere, die sie sonst nur aus Märchen kennen, oder, ähem,
vom Mittagstisch: Schafe, Ziegen, Schweine, Kühe, Hühner, Gänse und
Kaninchen. Zum Streicheln bitte.
Nahe des Herner Stadtzentrum
befindet sich der Stadtgarten, einen Stadtgarten hat auch Wanne zu bieten (mit
Kaiserbrunnen), Eickel wiederum kann einen Volksgarten zur stadtnahen Erholung
vorweisen. Und dann gibt es natürlich noch den Schlosspark Strünkede im
Stadtteil Baukau. Bis ins Jahr 1263 reicht die erste urkundliche Erwähnung zurück,
aber die Familie, die dort seinerzeit residierte, kann auf Urkunden verweisen,
die noch einmal 120 Jahre zurückdatieren. Bedenkt man dann, dass Ausgrabungen
der 1950-er Jahre belegen, dass nahe des heutigen Hauptschlosses bereits im 10.
Jahrhundert eine so genannte Erdwallburg angelegt wurde, dann atmet die gesamte
kastellartige Anlage tatsächlich aus jeder Pore pure Ruhrpottgeschichte – und
zwar aus einer Zeit, als noch niemand daran dachte, schwarze Steine zum Heizen
zu verwenden. Heute befindet sich das Emschertal-Museum in dem traditionsreiche
Gemäuer, zu dem auch eine öffentliche Bibliothek mit Schwerpunkt auf Archäologie,
Volkskunde und Kunsthandwerk der Region gehört; im Schlosspark ist darüber
hinaus die Städtische Galerie beheimatet.
Zum Verweilen und Spazieren
laden auch die Ufer der Emscher ein, die teils die direkte nördliche
Stadtgrenze Hernes bildet. Historisch betrachtet befindet sich die ehemals unabhängige
Stadt Wanne-Eickel vollständig im Emschertal. Auch die Ufer des
Rhein-Herne-Kanals bieten Gelegenheit, jenseits des Herner Häusermeers etwas
Ruhe zu genießen.
Noch vor ein paar Jahren
zogen Stadtväter des Ruhrgebiets den Federhandschuh, sprach man sie auf die
Klischees des Potts an. Sie verwiesen dann gerne auf die tolle Kulturlandschaft
an Ruhr und Emscher, an die Hightech-Industrien, die zwischen Dortmund und
Duisburg eine Heimat gefunden haben und natürlich auf die Hochschullandschaft.
Geholfen hat das alles nix, und wenn schon Klischees einfach nicht totzukriegen
sind, dann sollte sich doch wenigstens Geld mit ihnen verdienen lassen, sagte
sich offenbar Christian Stratmann, Bruder des Kabarettisten Ludger Stratmann –
und gründete in Wanne-Eickel den Mondpalast. 2008 besuchten 75.000 Zuschauer
die Aufführungen des ersten reinen Volkstheaters des Ruhrgebiets. Die Idee
eines Volkstheaters mutet anachronistisch an, als ein Relikt, mit dem sich auf
der Bayerischen Alm vielleicht noch ein paar Euros aus Touristen pressen lassen.
Aber im Ruhrgebiet? Nun, ganz neu ist die Idee ja nicht, mit Bruder Ludger
Stratmann entwickelte Christian Stratmann das Konzept von „Stratmanns
Theater“ in Essen, auf dessen Brettern das Ruhrgebiet schon lange humoristisch
eine Heimat gefunden hat. Aber: Das Essener Haus ist letztlich Theater- und
Kleinkunst, wobei die Themen nicht zwingend Ruhrgebiet heißen müssen, der
Mondpalast aber ist Ruhrpott pur. „Wir bedienen in erste Linie Klischees“,
so der Chef im Interview mit der Tageszeitung Die Welt im Februar 2005.
Da gibt es den Bergmann, den Taubenzüchter, den Fußballfan, all diese Typen,
die das Ruhrgebiet angeblich bevölkern. Und selbstkritisch fügt der Theatergründer
im Interview hinzu: „Die Besucher, die in Schauspielhäuser gehen, für die
ist Volkstheater "bäh'. Wir mussten also andere
Publikumsschichten erschließen. Schon bei der Wahl unseres Namens haben wir
darauf geachtet. In der Bezeichnung Mondpalast kommt das Wort Theater gar nicht
vor. Wir haben festgestellt, dass so Hemmschwellen abgebaut werden. Denn viele
unserer Gäste waren in ihrem Leben noch nie im Theater. Ein Gast sagte beim
Abschied mal zu mir: "Herr Stratmann, ich war noch nie ins
Theater, war aber schön." Das ist doch super.“ Bis 2013
laufen zurzeit die Verträge zwischen dem Vermieter des ehemaligen städtischen
Saalbaus in Wanne und Stratmann. Und wie die Stadt Herne in einer
hochoffiziellen Pressemitteilung Ende 2008 gar verkündete, freue man sich,
dass: „[...] an der Wilhelmstraße [...] intelligentes Volkstheater gemacht
[wird], das auch ein Publikum fasziniert, welches sich diesem Genre sonst nicht
zuwendet.“
Das Idealbild einer
Gartenstadt bietet wiederum die Siedlung Teutoburgia im Stadtteil Börning. Die
Siedlung entstand in den 1920-er Jahren. Da auch noch das Zechengerüst der
ehemaligen Zeche Teutoburgia die Zeiten überdauert hat, präsentiert Herne auch
hier ein Stück Geschichte zum Anfassen.
Ein Stück Geschichte ganz
anderer Art bietet auch Wanne-Eickel-Hauptbahnhof. Ja, Hauptbahnhof! Bevor
Wanne-Eickel seine Selbstständigkeit verlor und in der Stadt Herne aufging,
trug Wanne-Eickel den Beinamen „Stadt der tausend Züge". Bis Mitte der
1960-er Jahre verfügte Wanne-Eickel über einen der größten Rangierbahnhöfe
Europas. Mit dem Niedergang der Ur-Industrien Kohle und Stahl verlor er jedoch
seine Bedeutung. In den 1990-ern wurde er jedoch von Grund auf restauriert. Im
regionalen Nahverkehr spielt er nach wie vor eine bedeutende Rolle, zwei
Regional-Express-Linien, drei Regionalbahn-Linien sowie eine Linie der S-Bahn
Rhein-Ruhr halten in Wanne-Eickel – sowie der IC 35 von Norddeich nach
Luxemburg. Am Herner Bahnhof am Eingang der Herner Innenstadt legen gerade
einmal der Rhein-Emscher-Express (Hamm-Düsseldorf) sowie die Emschertal-Bahn (Dortmund-Dorsten)
einen Halt ein. Übrigens, die Idee auf eine Brötchentüte den Namen des Bäckers
zu drucken und die Tüte damit als Werbeträger zu benutzen, sie ist nicht nur
einfach und genial, sie stammt auch aus Wanne. „Mein Vater hatte Papiertüten
erfunden, in denen belegte Brötchen eingepackt waren und außen der Aufdruck
[stand]: Gute Reise wünscht Hermann Rühmann, Bahnhofsrestaurant Wanne.“ Das
schreibt sein Sohn in seinen 1982 erschienenen Memoiren. Nach ihm ist denn auch
der Vorplatz des Bahnhofs heute benannt. Nein, nicht der Restaurantbesitzer Rühmann
wurde hier geehrt, der Heinz-Rühmann-Platz ehrt vielmehr seinen berühmten
Sohn. Heinz Rühmann erblickte zwar in Essen das Licht der Welt, seine Kindheit
aber verbrachte in Wanne, rund um den Bahnhof, in dem sein Vater das Restaurant
betrieb. Während Rühmanns Verhältnis zu seiner Geburtstadt als eher kühl
bezeichnet werden darf, was sich durchaus anhand von negativen, traurigen
Jugenderlebnissen erklären lässt (seine Eltern ließen sich, nachdem sie das
Restaurant in Wanne aufgegeben hatten, in Essen scheiden, sein Vater beging
daraufhin in Essen 1916 Selbstmord), so findet er in seiner Biografie „Das
war's. Erinnerungen“ für Wanne liebevolle Betrachtungen.
Wenig liebevoll ist nach wie
vor, wie bereits erwähnt, das Gefühl vieler Wanne-Eickeler für die Stadt
Herne. Eigentlich sollte der Zusammenschluss beider Städte als Fusion unter
Gleichen betrachtet werden, doch dafür hätte es möglicherweise eines anderen
Namens als Herne bedurft. Tatsache ist: Als sich 1926 Wanne und Eickel zu
Wanne-Eickel zusammenschlossen, brachte Wanne 40.000 Einwohner mit, Eickel
35.000 und Röhlinghausen als dritte Gemeinde im neuen Verbund noch einmal
15.000. 1965 hatte Wanne-Eickel 110.000 Einwohner, Herne nur 109.000. Was in
Wanne-Eickel folgte war allerdings ein drastischer Einbruch auf etwa 92.500
Einwohner bis zum Jahr der Fusion. Durch den Einbruch und der Zielvorgabe des
Landes, keine Großstädte unter 200.000 Einwohnern kreisfrei zu halten, sahen
erste Pläne vor, Wanne-Eickel von Bochum eingemeinden zu lassen. Der Vorschlag
mit Herne zu fusionieren, er kam letztlich vom Stadtrat Wanne-Eickels, um eben
der Bochumer Eingemeindung zu entgehen. Mit knapp 190.000 Einwohnern im Jahre
1975 bewegte sich Herne mit Wanne-Eickel im Kulanzrahmen und behielt seine
Kreisfreiheit. Nur – aus Wanne-Eickel und Herne wurde letztlich nur noch
Herne. Zumindest in der Außenwahrnehmung. Und wer sich bei einem Wanne-Eickeler
so richtig unbeliebt machen möchte, weise einfach darauf hin, dass es seit 1975
streng genommen zwar noch ein Wanne und ein Eickel, keinesfalls aber ein
Wanne-Eickel gibt - wenn man denn die offiziellen Gemarkungen der Stadt zugrunde
legt. Da gibt es dann einen Stadtbezirk Wanne mit Crange und Wanne – sowie
einen Stadtbezirk Eickel mit Eickel, Röhlinghausen und Wanne-Süd. Die anderen
beiden Stadtbezirke sind Herne-Mitte mit Baukau, Holsterhausen, Mitte und Süd
sowie der Stadtbezirk Sodingen mit Börnig, Holthausen, Horsthausen und eben
Sodingen.
Wer gerne einmal Herne in
Action betrachten möchte, kann das größte Picknick Deutschlands auf der
Herner Bahnhofstraße besuchen. Im Rahmen des Boulevardfestes, das jährlich im
späten August stattfindet, verwandelt sich die Innenstadt in einen riesigen
Esstisch (bestehend aus Hunderten von Einzeltischen), auf dem auf einer Länge
von 800 bis 900 Metern getafelt wird.
Und dann gibt es da natürlich
eine überregional nicht ganz unbekannte Kirmes. Ein kleines Vorortfest, dass
2008 so um die 4,7 Millionen nach Herne lockte, oder besser gesagt in den eher
kleinen Stadtteil Crange. Also kein Fest von überregionalem Belang wie das Münchner
Oktoberfest, die Cannstatter Wasen in Stuttgart oder gar die Größte Kirmes am
Rhein, die kurz vor der Cranger Kirmes in Düsseldorf stattfindet. Nein, mit 4,7
Millionen Besuchern in zehn Tagen, da reicht es gerade mal für einen Bericht im
überregionalen Teil der heimischen WAZ oder der in Dortmund erscheinenden Ruhr
Nachrichten. Gut, bei 4,7 Millionen Besuchern in zehn Tagen heißt das, rein
statistisch betrachtet, dass 470.000 Besucher am Tag über die Kirmes flanieren,
während München bei 16 Tagen und 6,5 Millionen Besuchern am Tag nur 406.250
Besucher schafft. Es ist müßig die einzelnen Feste gegeneinander abwerten,
aufwerten, umwerten zu wollen. Jedes der besagten vier Volksfeste ist in seiner
Art einmalig, schade nur, dass es das Ruhrgebiet auch in Bezug auf die Cranger
Kirmes einfach nicht schafft, einmal die dicke Hose anzuziehen um der Welt vor
den Toren des Potts zuzurufen: Wir haben es drauf! Ein bisschen Größenwahn von
Zeit zu Zeit schadet nicht, Bescheidenheit mag eine Zier sein, wahrgenommen wird
aber am Ende nicht der Kaufmann, der immer gut gewirtschaftet hat und sich in
einer Krise still in die private Insolvenz verabschiedet, sondern der arrogante
Manager, der einen Weltkonzern vor die Wand crashen lässt und dann dem
Steuerzahler ins Portemonnaie fasst. Bei 364 Tagen in freundlicher
Bescheidenheit darf man doch mal an einem Tag die Pferde durchs Dorf jagen, oder
nicht? Warum Pferde? Alles der Reihe nach...
Immerhin: Im Ruhrgebiet und
sicher auch in Teilen des Münsterlandes ist die Cranger Kirmes eine
Institution, die man selbst als Kirmesmuffel mal von Zeit zu Zeit besuchen muss.
Wann die Cranger Kirmes zum
ersten stattfand, darüber streiten sich die Gelehrten. Um 1440 ließ Herzog
Adolf II. von Kleve auf jeden Fall das Haus Crange errichten, ein
beachtenswertes Herrenhaus, ja Schloss – von dem heute leider nur noch einige
wenige Außenmauern stehen. Wildpferde, die Häscher am Emscherbruch zusammen
trieben, wurden hier, am Haus Crange, auf einem Pferdemarkt zum Kauf angeboten.
Urkundlich wird ein solcher Pferdemarkt fürs Jahr 1441 belegt, vermutlich ist
er aber sogar noch ein paar Jahre älter. Allerdings: Erst nach der Errichtung
des Hauses Crange entwickelte sich aus dem Pferde- ein kleiner Jahrmarkt mit
Gauklern, Zauberern, Kirmesvolk. Heute kommen über 500 Aussteller nach Crange,
ihnen steht eine Fläche von 110.000 Quadratmetern zur Verfügung. Am ersten
Freitag im August fällt traditionell der Startschuss. Das bedeutet, dass
statistisch auf jeden Quadratmeter Lauffläche in absoluten Spitzenzeiten am
Wochenende bis zu – sechs (!) – Besucher einander vorwärts schieben. Laufen
kann man das kaum noch nennen. Somit ist Crange auf jeden Fall das engste
Mega-Volksfest in Deutschland, vielleicht sogar in Europa (oder der Welt?).
Wenn 2010 die 575. Cranger
Kirmes gefeiert wird, muss man von dieser Jubelzahl streng genommen fünf Jahre
abziehen. Die Nazis wollten 1935 unbedingt ein großes Jubelfest feiern, um
dieses propagandistisch im Jahr vor Olympia auszuschlachten. Also legten sie
fest, dass 1935 das 500ste Volksfest stattzufinden habe und nicht die 495.
Cranger Kirmes.
Vielleicht wird die Cranger
Kirmes außerhalb des Ruhrgebietes auch einfach nicht wahrgenommen, weil sie so
wenig Action zu bieten hat. Amerikanische Collegestudenten, die Bierzelte voll
kotzen, weil sie mal ein Bierchen getrunken haben, findet man in Crange nicht.
Und dann diese Bilanz aus dem Jahr 2008: 560 Polizeieinsätze bei denen unter
anderem 127 Platzverweise ausgesprochen, 66 Schlägereien beendet, 40 Diebstähle
und zehn Sachbeschädigungen aufgenommen werden mussten. Es kam sechsmal zu
Widerstand gegen die Staatsgewalt und zu 19 Festnahmen. Geärgert haben sich 194
Falschparker, deren Autos abgeschleppt wurden, im Umfeld des Festes registrierte
die Polizei 38 Verkehrsunfälle. Für ein Fest dieser Größenordnung ist das
wenig. Mehr noch, im Vergleich zu 2007 ist die Zahl der Polizeieinsätze, trotz
einer leicht gestiegenen Besucherzahl, um exakt 100 zurückgegangen. Münchner
Wiesenpolizisten würden da ihren Urlaub wohl in Crange verbringen.
Infotelegramm – Herne
Museen:
Emschertalmuseum
Schloß-Strünkede-Straße
80
44629 Herne
Tel.: (02323) 16 26 11
Internet: www.herne.de
Emschertal-Museum Herne -
Städtische Galerie im Schloßpark
Strünkede
Karl-Brandt-Weg 5
44629 Herne
Tel. (02323) 16 26 11
LWL-Museum für Archäologie
Westfälisches Landesmuseum
Europaplatz 1
44623 Herne
Tel.: (02323) 94 62 80
E-Mail:
lwl-archaeologiemuseum@lwl.org
Internet:
www.lwl-landesmuseum-herne.de
Heimat- und Naturkunde Museum
Wanne-Eickel
Unser-Fritz-Strasse 108
44653 Herne
Tel.: (02323) 16 22 90
Opel Museum
Riemkerstr.22
44625 Herne
Tel. (02323) 43 84 3
Internet: www.kadett-c-gte.de/pageID_1051726.html
Entdeckertouren:
Stadtmarketing Herne GmbH
Kirchhofstraße 5
44623 Herne
Tel. 0 23 23 / 9 19 05 15
E-Mail:
info@stadtmarketing-herne.de
Internet: www.herne.de/kommunen/herne/ttw.nsf/id/DE_Stadtfuehrung
Internet: www.stadtmarketing-herne.de
Kino:
Filmwelt Herne
Berliner
Platz 7- 9
44623
Herne
Tel.
(02323) 14 777 – 0
E-Mail:
info@filwelt-herne.de
Internet:
www.filmnet-herne.de
Theater:
Flottmann-Hallen
Flottmannstr.
94
44625
Herne
Tel.
(02323) 16 29 53
E-Mail:
flottmann-hallen@herne.de
www.flottmann-hallen.de
Kleines
Theater Herne
Neustraße
67
44623
Herne
Tel.
(02323) 91 11 91
E-Mail: webmaster@kleines-theater-herne.de
Internet: www.theaterherne.de
Mondpalast
von Wanne-Eickel
Wilhelmstraße
26
44649
Herne
Tel.
(02325) 58 89 99
Internet:
www.mondpalast.com
Herne
im Internet:
www.herne.de
- die offiziellen Seiten der Stadt
www.wanne-eickel.info
- Infos aus der ehemaligen Großstadt
www.4680wanne-eickel.de
- Noch mehr Infos
www.sternwarte-herne.de
- nicht nur Bochum hat eine!
www.eickel-hats.de
- Heimatseite der Werbegemeinschaft Eickel
|