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Antenne Witten


Zeitsprünge Witten (2014)

Foto: Mit freundlicher Genehmigung Sutton Verlag

Nach einer ersten Begegnung mit der Stadt Witten, um genau zu sein mit seinem Stadtteil Annen, habe ich mich mit den Zeitsprüngen ein zweites Mal vor die eigene Haustür begeben und mich mit Ansichten vergangener Tage auseinandergesetzt. Zeitsprünge stellt auf 128 Seiten Ansichten der Vergangenheit den Ansichten der Gegenwart gegenüber.

Historische und aktuelle Aufnahmen des Rathausplatzes, des Kornmarkts oder der Bahnhofsstraße dokumentieren die baulichen Veränderungen in der Innenstadt. Den Wandel im Stadtbild spiegeln auch Fotografien der Ruhrstraße, des Berliner Platzes oder der Hauptstraße wider. Die Überreste der im Krieg ausgebrannten altkatholischen Kirche in der Körnerstraße mussten zu Beginn der 1950er-Jahre einem Mietshaus weichen. Fast unverändert zeigen sich markante Gebäude wie die katholische Marienkirche oder das Reichsbundhaus. Damals wie heute laden Ausflugsziele wie der Helenenturm, das Haus Hohenstein oder das Bergerdenkmal zu einem Abstecher in die idyllische Umgebung ein.

Die historischen Aufnahmen sind in ganz verschiedenen Epochen entstanden. Einige sind über 100 Jahre alt, ein Teil der Aufnahmen aber entstand erst in den 1960er Jahren. Sie sind meine persönlichen Favoriten, da sie zum Beispiel sehr schön aufzeigen, wie grün die Stadt in den vergangenen rund 50 Jahren geworden ist. So war es oft gar nicht einfach, vom Standort des Fotografen des Originalbildes ein aussagekräftiges Vergleichsfoto zu machen: Oft hätte dieses Vergleichsfoto nämlich nur grün gezeigt. Bäume, Sträucher... Ich glaube dennoch, dass die Vergleiche gelungen ist. In nicht jedem Fall war es möglich, den Platz des Fotografen des Originalbildes wieder einzunehmen. In diesen Fällen habe ich mich nach einer aussagekräftigen Lösung umgeschaut.

Die meisten Vergleichsfotos sind zwischen Juni und August 2014 entstanden (Schwerpunkt: August). Die Ausnahmen werden als solche allerdings benannt und erklärt.

Ich weiß, dass ich von den Bewohnern einiger Stadtteile Wittens, wie etwa den Stockumern und den Hevenern, Haue kriegen werde. Zunächst wollte ich jeden Stadtteil ins Buch holen. Streng paritätisch sollte sich jeder wiederfinden. Doch bei der Zusammenstellung der Fotografien habe ich erkennen müssen, dass auf diese Weise ein vollkommen willkürlich zusammengeschusteter Foto-Flickenteppich entstanden wäre. Ein Flickenteppich, der niemanden wirklich befriedigt hätte.

Aus diesem Grund habe ich mich schweren Herzens entschlossen, einen Strich durch diese Planungen zu ziehen – um mich auf einige prägnante Orte der Stadt zu konzentrieren. So gehört der Einstieg der Wittener Innenstadt: Einem Rundweg folgend führen die Zeitsprünge den Leser durch die Innenstadt, zeigen bekannte Ansichten wie die Johanniskirche gestern und heute, aber auch unbekannte Ansichten tauchen an durchaus bekannten Stellen auf – wie das erste Wittener Kino, das sich an der Einmündung zur Johannisstraße befand.

Von der Innenstadt geht es über den Stadtpark und den Helenenberg weiter zum Hohenstein, womit der Rundgang durch Witten endet – und in Bommern fortgesetzt wird. Dort, im Muttental, wurde schließlich das Ruhrgebiet geboren. Von Bommern führt der Weg weiter nach Herbede, ein großer Sprung lässt den Rundgang in Annen enden (inklusive eines kleinen Schlenkers auf Rüdinghausener Gebiet).

Die Fotografien aus den 1960er Jahren stammen übrigens ausnahmslos aus dem Archiv des Wittener Fotografen Davide Bentivoglio, der 45 Jahre das Stadtgeschehen für die Ruhr Nachrichten Witten im Bild festgehalten hat. So ist dies auch sein Buch, denn ohne sein profundes Wissen um das Wachsen und Werden der Stadt wäre manche begleitende Zeile ungeschrieben geblieben.

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Zeitsprünge Witten
Sutton Verlag, Erfurt 2014
ISBN 978-3-95400-436-2 

19,99 €




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Foto: Jan Lukas


KORREKTUREN

Ein Foto zeigt das im Krieg zerstörte Geburtshaus von Otto Schott, dem wohl bedeutendsten Sohn der Stadt. "Otto Schott wurde aber nicht im Haus an der Hauptstraße 33 geboren, sondern im Haus Nummer 69." Bislang habe ich noch keine Zuschrift dieser Art bekommen. Aber sie wird kommen, da bin ich mir sicher. Dass Schott in der Hauptstraße 69 das Licht der Welt erblickt hat, wurde 2014 noch im Rahmen einer Ausstellung über Schotts Leben und Werk im Wittener Rathaus so dargestellt - inklusive eines Fotos seines angeblichen (?) Geburtshauses. Es ist aber nicht auszuschließen, dass hier ein Übertragungsfehler vorliegt. Die Website der Otto-Schott-Realschule nennt die 33 als die richtige Adresse - und an der nach Schott benannten Realschule hat man sich auch sehr ausführlich mit der Lebensgeschichte ihres Namensgebers beschäftigt. Das Stadtmagazin Witten macht derweil in einem Artikel aus dem Jahr 2005 auf eine Umnummerierung der Häuser an der Hauptstraße aufmerksam, was die Irritationen erklären mag. Das Stadtmagazin selbst sieht Schotts Geburtshaus denn auch in Höhe der heutigen Nummer 69. Was jedoch gegen die Hausnummer 69 spricht, ist der fehlende Schiefer. Schott selbst bemerkte einst in seinen Erinnerungen, an der Außenwand seines Geburtshauses habe bei Wind der Schiefer geklappert. Schiefer, wie er an Haus Nummer 33 befestigt war. Oder haben Schott seine eigenen Erinnerungen einen Streich gespielt?

Ansonsten liegt es in der Natur der Dinge, dass Bücher wie dieses selten fehlerfrei daher kommen. Nicht etwa, weil der Herausgeber geschlampt hätte. Viele Fotografien in diesem Buch zeigen vielmehr Situationen, Momente, Ansichten – jenseits der großen Geschichte. Es sind die Augenblicke, die nicht in dicken Geschichtsbüchern festgehalten sind. Viele der zusammengetragenen Informationen zu den Bildern entstammen demnach mündlichen – oder erst zu einem späteren Zeitpunkt schriftlich fixierten Überlieferungen. Da bleibt es nicht aus, dass sich Unschärfen, Fehler, Fehlinterpretationen einschleichen. Oder es gibt Detail-Fehler wie diesen: Da habe ich aus den beiden Besitzern des Wittener Hauptbahnhofs und der Villa Lohmann auch die Besitzer des ehemaligen Rathauses in Herbede gemacht. Was zwei der tatsächlichen Eigentümer des ehemaligen Rathauses durchaus verwundert haben dürfte. Ja, einer der beiden Lohmann/Hauptbahnhof-Eigner ist auch am ehemaligen Rathaus beteiligt, aber mit zwei Ärzten, die im "Rathaus der Medizin" auch eine Gemeinschaftspraxis betreiben. 

Sollten weitere Korrekturen nötig sein, bitte ich einfach um einen kurzen Hinweis. Ich werde diese Korrektur dann an dieser Stelle vermerken.


DAS ZOLLHAUS

Foto: Lukas

Ein interessanter Fall ist das Zollhaus an der Elberfelder Straße in Witten-Bommern. Dieses Haus ist nämlich keinesfalls ein Ort jenseits der großen Geschichtsschreibung - wenn man den Überlieferungen glauben schenkt: Hier wurde sehr wohl Geschichte geschrieben! Während der Napoleonischen Besetzung erbaut, diente es primär dem Zweck, Kohlefuhren gen Elberfeldt mit einem happigen Wegezoll zu belegen. Dies ist die Geschichte, die man über dieses Gebäude erzählt und man sollte meinen, dass solch eine Geschichte wohl dokumentiert ist, mit Amtssiegeln und Urkunden. Doch Fehlanzeige. So besteht von Seiten des Bommeraner Heimatvereins ebenso Skepsis an der Zollhaus-Überlieferung wie von Seiten der Wengeraner Heimatfreunde, die sich ebenfalls für die Geschichte des Hauses interessieren, liegt es doch genau auf der Stadtgrenze von Witten-Bommern und Wetter-Wengern (wie nah die Stadtgrenzen hier verlaufen? Nun, das Haus liegt auf Wittener Stadtgebiet, die kleine Straße, die rechts am Haus vorbeiführt, die Höltkestraße, befindet sich auf Wetteranter Territorium!). Sollte jemand mehr über die Geschichte wissen, nicht nur die Heimatfreunde aus Bommern und Wengern freuen sich über weitere Informationen.

Uh, wobei ich zugeben muss, einmal habe ich wirklich nicht aufgepasst. Mein Fehler: Ich schreibe vom alljährlichen Sommerfest auf Schloss Steinhausen. Nun, 2014 war, als das Fest stattfand und auch das  Foto fürs Buch entstand, ein wunderschöner Sonnentag. Nur das schöne Wetter muss meinen Geist vernebelt haben. Tatsache ist, auf Steinhausen wird kein Sommerfest gefeiert, sondern der 1. Mai. 

An prominenter Stelle hat übrigens bei Erscheinen die Buchhandlung Lehmkul das Buch beworben: 
Im Schaufenster direkt am Marktplatz. Also, wenn das keinen Anreiz zum Kauf geboten hat, dann weiß ich auch nicht mehr...

Foto: Lukas

Aber nicht nur in der Wittener Innenstadt wurde das Buch freundlich aufgenommen. Auch im Stadtteil Herbede ist es ein Thema, obschon der Stadtteil ein bisschen kurz kommt, wie ich gestehen muss. Dafür sind die Fotos aus Herbede schon spektakulär. Da ist etwa ein Bild von Fördertürmen über Herbede, 1972. Heute längst vergessen. Oder da ist das Luftbild aus den 1930er Jahren - inklusive der Herbeder Ruhrbrücke, die sich noch im Bau befindet. Einer Brücke, die bald rundum erneuert wird, da sie mit dem Verkehr unserer Zeit schon lange nicht mehr zurecht kommt. Im April 2015, also schon ein paar Tage nach Erscheinen des Buches, habe ich an der Pforte des Lotto- und Zeitschriftengeschäfts Wesner an der Meesmannstraße eine Werbung fürs Buch gefunden. Warum habe ich vom Verlag eigentlich nicht so ein nettes Werbeplakat bekommen....?

Foto: Lukas

Eine Stadt, mit der Witten an sich auf den ersten Blick gar nicht viel zu tun hat, ist Hagen, das Tor zum Sauerland. Der Blick aber trügt: Diverse Bahnverbindungen ermöglichen (fast) in einem Zehnminutentakt die Fahrt in die Volmestadt. Gerade einmal eine Viertelstunde trennen die beiden Städte. Und so scheint es doch einen grßeren Austausch zwischen den beiden Städten zu geben als man im Allgemeinen meinen mag. Im Dezember 2015 auf jeden Fall präsentierte die Bahnhofsbuchhandlung Relay im Hauptbahnhofhof Hagen die Zeitsprünge mit zwei weiteren Wittener Titeln und einem aus Ennepetal - gleichberechtigt zu zwei ebenfalls prominent beworbenen Hagener Titeln und einem aus dem Sauerland.

Zeitsprünge in Hagen

Ein Dauergast ist es außerdem im Schaufenster des Wittener Stadtmarketings, der Tourist Information. Das ist schon ein guter Platz, der dafür sorgt, dass das Buch im Gedächtnis bleibt. Auch, weil er natürlich von vielen Personen frequentiert wird, die nicht aus Witten kommen, aber vielleicht ein Andenken mit nach Hause nehmen wollen? Natürlich bietet das Stadtmarketing allerlei hübsche Devotionalien für den Besucher von Außerhalb, die hübsch im Regal aussehen. Aber ein Buch, das einerseits die schönsten Orte der Stadt zeigt, den Leser mit Informationen über diese Orte füttert - und dann noch Ansichten der Vergangenheit aufführt... Also, eigentlich sind das ja schon drei Bücher in einem.... Erhältlich ist das Buch natürlich auch online. Hier zum Beispiel.

Foto: Lukas

 

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