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Antenne Witten

BOLLYWOODFILMKRITIKEN

"Chak De! India" und "Om Shanti Om" (2008)

Seit Shah Rukh Khan während seines Berlinale-Besuchs im Februar für ein Verkehrschaos rund um den Potsdamerplatz in Berlin sorgte und die Deutschland-Premiere seines Filmes „Om Shanti Om“ in sieben Minuten ausverkauft war, ist auch den konsequentesten Bollywood-Ignoranten eines klar: Dieser Mann ist auch in Deutschland ein Mega-Star. Und das, obwohl seine Filme hierzulande de facto ausschließlich auf DVD erscheinen. So auch „Chak de! India“, der King Khan, wie ihn seine Fans respektvoll nennen, von einer ziemlich ruppigen Seite präsentiert.

Kabir Khan (Shah Rukh Khan) war Kapitän der indischen Hockeynationalmannschaft. Als solcher führte er Indien ins Endspiel einer Weltmeisterschaft. Doch nicht seine Leistungen haben sich im Gedächtnis der Menschen festgebrannt. Sekunden vor dem Ende des Endspiels verschoss Kabir den entscheidenden Siebenmeter – und ausgerechnet Indiens Erzfeind Pakistan erklomm den Thron der Hockeywelt. Da Kabir Moslem ist, wurde ihm unterstellt, er hätte den Strafstoß gegen seine Glaubensbrüder absichtlich verschossen. Als persona non grata verlässt er Indien. Sieben Jahre später kehrt er aus seinem selbstgewählten Exil nach Hause zurück, um die international drittklassige Damen-Hockeynationalmannschaft als Trainer für die Damen-WM in Australien fit zu machen.

„In jedem Team gibt es nur Platz für ein Arschloch. Und in diesem Team bin ich das“, faucht er eine seiner Spielerinnen an. Ein Gentleman ist Kabir Khan nicht. Aber er ist mit Herz und Seele beim Spiel seiner Mädchen. Er braucht sie, um sich zu rehabilitieren. Und sie brauchen ihn als Klammer, der ihr zerbrechliches, von den Sportfunktionären ungeliebtes Team, zusammenhält. Und sie, die zumeist unbekannten Darstellerinnen, sie sind es, die den Film wie eine sanfte Welle tragen. Mit feinem Charakterstift sind ihre Figuren gezeichnet, die gegen männliche Vorurteile, Chauvinismus und Jahrhunderte alte Traditionen ankämpfen müssen, um sich ihren Traum von einer Weltmeisterschaftsteilnahme zu erfüllen. Unaufgeregt geschieht dies, ohne Höhen oder Tiefen, ruhig und leise. Es ist nicht ohne Ironie, dass die jungen Frauen für ihren Weg ausgerechnet die Hilfe eines innerlich ausgebrannten Mannes brauchen. Aber Kabirs eigener Abstieg vom Olymp hat ihn für den Kampf, den die jungen Frauen jeden Tag kämpfen müssen, sensibel gemacht. 

Es gibt spannende Filme, es gibt bewegende Filme, dieser ist einfach – schön! Ach ja: Obwohl es sich um einen Bollywoodfilm handelt – es wird nicht getanzt oder gesungen!

Das jedoch holt Shah Rukh Khan in „Om Shanti Om“ doppelt und dreifach nach. Ende Mai erscheint die Mär von Om auf DVD. Om ist ein junger Schauspieler der 70er Jahre, der sich in die wunderschöne Bollywood-Göttin Shanti (Deepika Padukone) verliebt. Als er sie bei Dreharbeiten aus einem Feuer rettet, freunden sie sich an. Mehr ist nicht möglich, weil Shanti verheiratet ist. Die Ehe aber ist geheim und als sie schwanger wird – ermordet sie ihr Mann. Beim Versuch Shanti ein zweites Mal zu retten, stirbt auch Om. Das klingt nicht gerade nach Guten-Laune-Kino. Ist es aber, denn dies ist Bollywood und damit ein Raum, in dem Träume wahr werden: Om wird nämlich wiedergeboren und als Megafilmstar im Jahr 2007 erhält er die Möglichkeit, ein geschehenes Unrecht zu sühnen. Bunt ist der Film, denn er ist eine Reminiszenz ans Bollywood-Kino der 70er Jahre. Die ehemalige Star-Choreographin Farah Khan hat ihn inszeniert und Farah Khan ist eine Garantin für die ganz großen Tanzszenen. Spätestens die zehnminütige Tanznummer „Deewangi Deewangi“ wird Hardcore-Bollywood-Fans in Extase versetzen, wenn nicht weniger als 31 Stars der indischen Traumfabrik gleichzeitig auftreten! Darunter Megastars wie Kajol, Rani Mukherjee, Saif Ali Khan, Salman Khan, Juhi Chawla, Preity Zinta oder Dino Morea. Wem diese Namen nichts sagen, wird auch mit diesem bunten Zuckertraum „Om Shanti Om“ nichts anfangen können. Auf der Berlinale allerdings avancierte der Film zu dem Publikumserfolg schlechthin und das Verkehrschaos wurde bereits erwähnt. In Indien gilt „Om Shanti Om“ als der Blockbuster des Jahres 2007. (Beide Filme sind bei Rapid Eye Movies erschienen, FSK jeweils ab 12)


"Fanna" 

Die blinde Zooni (Kajool) fährt mit Freundinnen von Kaschmir nach Delhi, trifft dort den charmanten Touristenführer Reha (Aamir Khan) und verliebt sich Hals über Kopf in den freundlichen Hallodri. Ach ja, Bollywood kann so schön sein: 68 Minuten wird getanzt, gejuxt, geliebt. Doch dies ist ein Aamir-Khan-Film. Und Aamir Khan macht keine 08/15-Bollywoodfilme. Ob das Oscar nominierte Kricket-Epos „Lagaan“ oder das mehrfach ausgezeichnete Studentendrama „Rang de Basanti“: Flachsinn ist Aamir Khans Ansinnen nicht. Und so geschieht nach 68 Minuten Bollywood aus dem Lehrbuch Ungeheuerliches: Die Bombe eines Terroristen aus Kaschmir zerfetzt das Liebesglück von Zoonie und Reha. Zooni bleibt allein zurück. Und sie ist schwanger. Was sie nicht ahnt: Der Terrorist, der mit seinen Bomben schon so viele Menschen getötet hat, ist niemand anderes als – Reha. „Fanaa“ - eine intelligente Mischung aus typischen Bollywoodklischees, düsterem Thriller und Familiendrama. (Rapideyemovies, FSK ab 12)

 
 
"Maqbool"

Abbaji ist der Boss der Bosse, der mächtigste Mafiaherrscher von Mumbai. Mag Abbaji nach Außen hin den weisen Führer geben, ist der doch gegenüber seinen Untergebenen Misstrauisch. Allein seinem Adjudanten Maqbool vertraut er bedingungslos, ihm vertraut er sein Leben an. Abbaji ahnt nicht, dass sich Maqbool in Abbajis Mätresse Nimmi verliebt hat, die ihn langsam aber sicher von der Notwendigkeit überzeugt, Abbaji aus dem Weg räumen zu müssen, wenn Maqbool jemals selbst die Führung des Clans übernehmen will. Maqbool weist solche Überlegungen weit von sich - bis sich der Geliebte von Abbajis Tochter als Emporkömmling offenbart, der Maqbools Stellvertreteranspruch in Frage stellt. Maqbool ersinnt einen Mordplan, doch sein Gewissen treibt ihn in den Wahnsinn. 

Düstere "Macbeth"-Adaption, teilweise etwas langatmig, lebt der Film von seinen Charakterzeichnungen. (Rapideyemovies, FSK ab 16, OmU)

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