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Antenne Witten

JOHN SAVAGE

Dieser Text bezieht sich auf John Savages Rolle in der TV-Serie "Dark Angel", der Text wurde nicht redigiert, etwaige Fehler bitte ich zu entschuldigen.

COLONEL DONALD „DECK“ LEYDECKER

Der wortkarge Soldat war einst für die Sicherheit von „Manticor“ verantwortlich, in dem Max zur Supersoldatin herangezüchtet werden sollte. Leydecker ist ein Mann ohne Gefühle, eine funktionierende Maschine, die einen Job ausübt. Er zeigt keine Gefühle, er wirkt stets kühl und berechnend. Die einzige erkennbare Gefühlsregung, die er bislang gezeigt hat, ist Wut. Wut auf Max und die anderen Kinder, denen einst die Flucht gelungen ist. Es ist offensichtlich, dass die Flucht sein Ego verletzt hat. Unbarmherzig verfolgt er daher die Kinder, die inzwischen zu jungen Erwachsenen heran gewachsen sind. Sein Hauptziel ist Che, da sie ihm bereits mehrfach entkommen konnte. Es ist unklar, ob Leydecker bei seinen Aktionen von der Regierung bedingungslos unterstützt wird, oder ob er – aus gekränkter Eitelkeit möglicherweise – auf der Suche nach den Kindern seine eigenen Gesetze kreiert.

DER MANN HINTER LENYDECKER

John Savage hat ohne Zweifel eine wechselreiche Karriere hinter sich. Im Jahre 1979, also zwei Jahre vor der Geburt seiner heutigen Serienpartnerin Jessica Alba, wurde er von der amerikanischen Kino-Fachpresse zu einem der „Zwölf Schauspieler der Zukunft“ gewählt. Vor der Kamera hat der ewig jung aussehende, am 25. August 1949 in Old Bethpage, New York, als John Youngs geborene Schauspieler bereits als Fünfjähriger gestanden. So ist er in einer kleinen Rolle in dem Western RITT MIT DEM TEUFEL (RIDE OF THE DIABOLO, USA 1954) neben dem damaligen Westernhelden schlechthin, Audie Murphy, zu sehen.

Bereits im Alter von 20 Jahren wurde er Vater. Seine Tochter Jennifer erblickte 1969 das Licht der Welt, ein Jahr später wurde sein Sohn Lachlan geboren. Jenifer arbeitet heute ebenso als Schauspielerin wie sein Bruder Jim Youngs, der zum Beispiel eine Hauptrolle in DIE WANDERERS (THE WANDERERS, USA 1979) gespielt hat. Und auch Johns Schwester Gail Youngs hat in einer ganzen Reihe von Spielfilmen und Serien mitgewirkt. Mögen die Beiden auch viel beschäftigt sein, im Vergleich zu ihrem Bruder sind sie nur „kleine Lichter“ im Filmgeschäft. John Savages tatsächliche Filmkarriere hat im Jahre 1970, ein Jahr nach der Geburt seiner Tochter, mit dem Spielfilm LOVE IS A CAROUSEL (USA 1970) begonnen. Seither hat er in fast 100 Spielfilmen und zwei Dutzend Fernsehserien vor der Kamera gestanden.

WECHSELNDE ERFOLGE

Nach einigen kleineren Rollen in den frühen 70er Jahren, erlangte er für eine kurzen Moment Weltruhm, als er eine der drei Hauptrollen in dem mit fünf Oscars ausgezeichnetem Anti-Kriegsfilm DIE DURCH DIE HÖLLE GEHEN (THE DEER HUNTER, USA 1978) spielte. Seine Partner in diesem Klassiker waren Robert de Niro und Christopher Walken. Während de Niro mit seiner Darstellung seinen Ruf als interessantester, junger Caharkterschauspieler Hollywoods manifestierte und Christopher Walken für seine Darstellung in diesem Vietnamkriegs-Drama sogar mit dem Oscar für die beste Nebenrolle ausgezeichnet wurde, öffnete er Savage Türen, die bis dato für ihn verschlossen geblieben waren. Nach dem großen Erfolg von DIE DURCH DIE HÄLLE GEHEN gab kaum ein großes Projekt, mit dem Savages Name in dieser Zeit nicht in Verbindung gebracht worden wäre.   

Savage aber entpuppte sich, obwohl er als sehr angenehmer Mensch beschrieben wird, als nicht unkompliziert bei der Auswahl seiner Rollen. Auf der einen Seite stand Savage, der Schauspieler, der mit DIE DURCH DIE HÖLLE GEHEN einen Hit gelandet und auf sich als Schauspieler aufmerksam gemacht hatte. Savage wollte seinen plötzlichen Ruhm nicht durch die falsche Projekt-Wahl aufs Spiel setzen. Zu viele Schauspieler hatten den Olymp des Erfolges in kometenhafter Geschwindigkeit erklommen – und waren danach verglüht. Savage plante seine Karriere – zu diesem Zeitpunkt – mit Vorsicht. Gleichzeitig aber war (und ist) Savage ein politischer Mensch. Er engagierte sich in der Friedensbewegung und prangerte soziale Missstände in den USA an. Seine Popularität erlaubte es ihm, mit Menschen zu sprechen, die anderen Aktivisten verschlossen blieben.

Ende der 70er Jahre suchten die USA nach einer neuen Identität. Der verlorene Vietnamkrieg steckte der Supermacht noch immer in den Knochen. Der Verlust der Macht im Nahen Osten und die Geiselnahme von amerikanischen Diplomaten in Teheran schockierte das Land. In dieser Phase erschien mit Ronald Reagan ein Politiker auf der Bildfläche, der den Amerikanern versprach, ihnen ihr Selbstbewusstsein zurück zu geben. Reagan stand für konservative Werte. Soziale Fragen spielten in seiner Politik keine Rolle. Und politisch eher links orientierte Personen, wie Savage, landeten schnell auf schwarzen Listen.

Dass die Amerikaner unter ihre Geschichte – vorerst zumindest – einen Strich ziehen wollten, spürte Savage als Hauptdarsteller des Musicals HAIR (HAIR, USA 1979). Eigentlich war das Projekt ein großer Hype. Als Regisseur fungierte Milos Forman, der mit EINER FLOG ÜBER DAS KUCKUCKSNETS (ONE FLEW OVER THE COCKOO’S NEST, USA 1975) bewiesen hatte, dass Anspruch und kommerzieller Erfolg einander nicht ausschließen müssen. Das Budget des Filmes war hoch, die Kinowerbung gewaltig. Das „Lexikon des internationalen Filmes“ schreibt über HAIR: „Ein Filmmusical voller Vitalität, musikalischem Temperament und temporeicher Spannung. Im  Zusammenhang von nicht nur sexueller Freizügigkeit und Anti-Vietnamkriegsbewegung werden unterhaltsam und überzeugend Werte wie Freundschaft, Großzügigkeit und Geborgenheit in der Gruppe dargestellt.“

EIN BÖSER FLOP

Savage spielt in diesem Film Claude, wie schon in DIE DURCH DIE HÖLLE GEHEN einen braven all-american-boy, der nach Vietnam geht, weil sein Land dies von ihm verlangt, ohne dass er den Sinn und Zweck dieses Krieges zu hinterfragen. Savage wurde von diesem Flop vollkommen überrascht, denn gerade erst war er, wie eingangs erwähnt, zu einem der hoffnungsvollsten, neuen Schauspieler Hollywoods gewählt worden. Auch sein folgendes Projekt offenbarte sich als wenig erfolgreich: MORD IM ZWIEBELFELD (THE ONION FIELD, USA 1980). In der Rolle eines Polizistenmörders, dem es gelingt, seinen Prozess zu verzögern, was ihn schließlich vor der Todesstrafe bewahrt, feierte zwar die Kritik einmal mehr seine Darstellungskraft, nur das Publikum war an dem Film nicht sonderlich interessiert.

Es folgte der Spätwestern CATTLE ANNIE (CATTLE ANNIE, USA 1980) sowie der Spionagethriller DER ZWEITE MANN (THE AMATEUR, USA 1981), Filme, in denen Savage, wie immer in dieser Phase seiner Arbeit, bejubelt wurde, die aber allesamt an den Kinokassen nicht zu überzeugen wussten.

Hinzu kam, dass der politische Mensch John Savage von den großen Studios nicht sonderlich geschätzt wurde. Das Seichte wurde gefeiert, ein politischer Aktivist wie Savage paste nicht in das System. Durch seine dauernde Leinwand- und Fernsehpräsenz aber ist es Savage in dieser Phase gelungen, dass sein Name nicht in Vergessenheit geriet. Savage entpuppte sich als Arbeitstier und fand Engagements jenseits des großen Studiosystems. Fürs Portemonee machte er eine ganze Reihe von TV-Spielfilmen, um sich als Schauspieler zu profilieren übernahm er die Hauptrollen vieler kleinerer Kinoproduktionen. Für einiges Aufesehen sorgte in diesem Zusammenhang die Darstellung eines im Zweiten Weltkrieges über Ungarn abgeschossenen Piloten in FLUCHT IN DEN TOD (HOSSZU VAGTA [DDR: DER LANGE RITT], Ungarn/USA 1983). Gerade in den frühen 80er Jahren sahen die Amerikaner im Ostblock einmal mehr das Gesicht des Bösen. Zwar ist der Film von einem amerikanischen Produzenten co-finanziert worden und auch das Drehbuch stammt aus der Feder eines amerikanischen Autors. Dennoch war es ungewöhnlich, dass sich ein amerikanischer Schauspieler auf den Weg in ein Ostblock-Land begab, um dort die Hauptrolle eines Kriegsfilmes zu spielen.

Savage hatte nun endgültig den Ruf weg, ein politischer Schauspieler zu sein. Dank der Hauptrolle in FLUCHT IN DEN TOD hat er die Möglichkeit erhalten, mit osteuropäischen Intellektuellen in Kontakt zu kommen. Als Friedensaktivist unterstützte Savage die Forderung vieler Intellektueller, durch Annäherung die Grenzen zwischen Ost und West durchlässig zu machen. Eine orderung wie diese war in den USA in den frühen 80er Jahren nicht unbedingt populär.

 GASTSPIEL BEI OLIVER STONE

 Vor allem Regisseure, die jenseits des Hollywood-Systems arbeiteten, wurden nun wieder auf Savage aufmerksam. Und so durfte Savage 1985 noch einmal einen großen Kritikerhit landen. Dies verdankt er Oliver Stone. Stone hatte mit seinen Drehbüchern zu Filmen wie 12 UHR MITTAGS (MIDNIGHT EXPRESS, USA 1977) und CONAN (CONAN, USA 1981) Popularität erlangt. Politisch war er jedoch nur schwer einzuschätzen. Ist er heute als ein Kritiker des american way of life bekannt, der mit seinen Filmen immer wieder politisch/gesellschaftlich brisante Themen aufgreift, wie den Vietnamkrieg in PLATOON (PLATOON, USA 1986) oder die miesen Geschäfte der Börsianer in WALL STREET (WALL STREET, USA 1987), war er diesbezüglich 1985 noch ein unbeschriebenes Ball. So erhielt Stone schließlich das Geld für einen Film mit dem Titel SALVADOR (SALVADOR, USA 1985), der von der Arbeit eines Kriegsberichterstatters in Mittelamerika erzählt. Für diese Rolle gab es für Stone nur eine Bestzung: John Savage. Savage war die Materie vertraut. Wie viele andere Intellektuelle war er ein Gegner der US-amerikanischen Mittelamerikapolitiker, die rechtsgerichtete, korrupte Regierungen wie in El Salvador unterstützte, nur um den Einfluss der Sowjetunion im „amerikanischen Hinterhof“ gering zu halten. El Salvador ist auch der Spielort dieses Filmes, erzählt wird die Geschichte eines blutigen Militärputsches 1981. Im Mittelpunkt stehen zunächst jedoch nicht die Hintergründe dieses Putsches, sondern einige amerikanische Journalisten, die sich vordergründig nicht für die Politik interessieren. Für sie ist dieser Krieg ein Wettstreit um das beste Foto. Bis auch sie sich den Hintergründen nicht entziehen können.

In Interviews zum Film entpuppte sich Savage als tatsächlicher Kenner des Mittelamerika-Konfliktes, und vor allem unabhängige Filmemacher entdeckten nun Savage für sich. Mit dem Thema Vietnam wurde einmal mehr in dem Drama BRENNENDES LAND (SOLDIER’S REVENGE, USA 1986) konfrontiert. In der Rolle eines ehemaligen Kampfbomberpiloten, der nach seiner Rückkehr aus Vietnam zum bedingungslosen Pazifisten wird, brillierte er einmal mehr in der Rolle eines zerissenen Charakters. Auf der einen Seite steht die Liebe seiner Figur zu seinem Land, aufgrund seiner politischen Einstellung aber wird er von den Menschen seines Heimatstädtchens, die in strickten schwar/weiß Kategorien denken, gehasst. Für sie ist er nur noch ein Nestbeschmutzer.

SAVAGE ARBEITET FÜR NELSON MANDELA

Savage hat in den späten 80ern in vielen unabhängig produzierten Filmen mitgespielt, bedeutender als seine Schauspielerarbeit war sein Schritt in die Politik im Jahre 1988. Viele Intellektuelle mögen über Politik reden, die wenigstens indes wagen sich tatsächlich in die Politik zu gehen. Savage hat sich diesen Schritt gewagt. Allerdings nicht in den USA. Er ging 1988 vielmehr nach Südafrika und schloss sich der Anti-Apartheid-Bewegung an. Für sie stellte er viele Kontakte in die USA her. Nachdem der Führer der Bewegung, Nelson Mandela, aus dem Gefängnis entlassen und sogar zum Präsidenten Südafrikas gewählt wurde, arbeitete Savage einige Zeit lang sogar direkt für ihn. Savages Engagement für das südliche Afrika hat übrigens einen sehr persönlichen Grund: Sandi Schultz. Die gebürtig aus Namibia stammende Schauspielerin, die sowohl afrikanische wie deutsche Vorfahren hat, hat nicht nur selbst gegen die Rassentrennung in Südafrika und ihrer von Südafrika verwalteten Heimat Namibia gekämpft. Sie hat auch John Savages Herz erobert und seit 1988 ist sie seine zweite Ehefrau (sie ist übrigens nur vier Jahre älter als John Savages Tochter!).  

DINOSAURIER UND ANDERE KATASTROPHEN

 Bis 1994 hat Savage in Südafrika gearbeitet. Was seiner Filmkarriere leider nicht gut getan hat. Zwar hat er eine Nebenrolle in dem Box-Office-Hit DER PATE 3 (THE GODFAHTER III, USA 1990) gespielt, doch seither ist es mit seiner Karriere vor der Kamera steil bergab gegangen. Savage spielte immer öfter Rollen in direkt für den Videomarkt konzipierten Billigfilmen. Oft war er nur der Gaststar, der sein bekanntes Gesicht zwei Tage in die Kamera hielt und dafür einen Scheck erhielt. Den Tiefpunkt seiner Karriere dürfte das Saurier-Spektakel CARNOSAURUS II – ATTACK OF THE RAPTORS (CARNOSAURUS 2, USA 1994) darstellen.

Savage hat in den nächsten Jahren in einer ganzen Reihe von schlechten B-Filmen mitgespielt. Von einer Karriere zu sprechen, würde dem, was er in dieser Zeit gemacht hat, schmeicheln. Dem Fernsehen verdankt er in gewisser Weise seine Wiederauferstehung. Savage spielte die Hauptrolle des STAR TREK: VOYAGER-Cliffhangers von der fünften auf die sechste Staffel, „Equinox“ und brillierte in der Rolle eines verzweifelten Sternenflottenoffiziers. Mit dieser Rolle meldete er sich auf der Bühne ernstzunehmender Schauspieler zurück und bot sich gleichzeitig für Serienhauptrollen an. Hauptrollen wie jener in DARK ANGEL

 ZITATE VON SAVAGE 

„Jessica Alba und Michael Weatherby tragen die Verantwortung für die Show. Das ist vor allem für Jessica schwer. Sie ist noch so jung. Aber sie schafft es. Davor habe ich Respekt.“

„DARK ANGEL ist mehr als nur eine Show, die vom Abenteur der Woche erzählt. DARK ANGEL befasst sich vor allem mit der Frage: Wo stehe ich als Individuum in dieser Welt? In welcher Beziehung stehe ich zu den anderen Menschen? Ist diese Welt tatsächlich frei?“

 
 

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