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FILMKRITIK
AVATAR. Ot: dito. Regie: James Cameron.
Mit Sam Worthington, Sigourney Weaver, Zoë
Saldana, Stephen Lang. Start: 17. Dezember 2009 (Fox)
Zwölf Jahre brauchte
James Cameron, um nach „Titanic“ einen neuen Film in die Kinos zu
bringen. Nun ist er da: „Avatar“. Und natürlich ist „Avatar“
nicht einfach nur ein neuer Film. 230 Millionen Dollar hat er gekostet und
er soll nicht weniger erreichen als das Kino zu revolutionieren, denn
gedreht hat Cameron den Film in modernster 3-D-Technik, die es ihm ermöglicht
hat, mit realen Schauspielern Effekte zu kreieren, wie sie das Kino noch
nie zuvor präsentieren durfte.
Und, ist ihm die
Revolution gelungen? Wird „Avatar“ die Kinobesitzer genau so glücklich
machen wie „Titanic“ anno 1997? Die Antwort ist wohl eher ernüchternd:
Nein! Selbstredend wird „Avatar“ ein Blockbuster. Die Erwartungen
wurden durch eine intelligente Werbekampagne, zu der unter anderem Monate
vor Filmstart ein kostenloser 20-Minuten-Kino-Preview gehörte, ordentlich
geschürt. Und um eines klar zu sagen: Ein schlechter Film ist „Avatar“
nicht. „Avatar“ ist nicht „Star Wars – Episode 1“, der das Kino
vor zehn Jahren revolutionieren wollte – und letztlich nur die alten
Fans dazu animierte, ihre teuren Star-Wars-Actionfiguren im besten Fall
auf dem Trödel zu verramschen (oder im schlechtesten Fall im Gelben Sack
zu entsorgen). Cameron begeht nicht den Fehler ausschließlich auf Effekte
zu setzen. Der Kanadier ist eben auch ein Geschichtenerzähler, der sich
Zeit nimmt, um eine Handlung zu kreieren. Doch genau auf dieser Ebene
unterläuft ihm ein überraschender Fauxpas: Er vergisst während der
ersten Hälfte seines 160-Minuten-Epos Spannung aufzubauen. Oh, er liefert
keinesfalls ein Kammerspiel ab, um sich die Effekte aufzusparen. Im
Gegenteil: Er kreierte mit den ihm zur Verfügung stehenden technischen
Hilfsmitteln eine Welt, wie sie das Kino sicher noch nie gesehen hat, eine
Welt mit X verschiedenen Spezis, mit einer unfassbaren Vegetation, mit
allem, was selbst den Amazonas wie ein Birkenwäldchen an einem Bahndamm
erscheinen lässt. Das alleine wird dem Film einen Spezialeffekteoscar
einbringen, andere Filme brauchen sich gar nicht erst nominieren lassen.
Nur – Spannung kommt in dieser Phase selten auf.
Aber worum geht es
eigentlich?
Im Jahr 2154 beutet ein
Megakonzern einen fernen Planeten auf der Suche nach Rohstoffen aus. Auf
dem Planeten leben die Na’vi, ein intelligentes, blauhäutiges,
humanoides Volk. Da es politisch höchst unkorrekt wäre, die Na’vi
einfach auszurotten – so etwas gibt eine schlechte Presse und ist für
Aktienkurse schädlich – werden Avatare zu den Na’vi gesandt. Es
werden Körper gezüchtet, die wie Na’vi aussehen und die die Na’vi
erkunden sollen. Das Besondere an einem Avatar: In ihm lebt der Verstand
eines Menschen. Der Mensch selbst liegt während seiner Verbindung mit dem
Avatar in einer Art komatösem Zustand in einem Labor. Jake (Sam
Worthington) ist ein querschnittsgelähmter Ex-Soldat, der den Job
annimmt, mit einem Avatar zu verschmelzen, da er so einen voll funktionstüchtigen
Körper erhält. Ihn interessieren die Na’vi nicht. Bis er während
seiner ersten Expedition fast sein Leben verliert und von der Na’vi
Neytiri (Zoë Saldana) gerettet wird. Je näher er den Na’vi kommt,
desto mehr fasziniert ihn ihr Leben – und ihr Heimatplanet, auf dem
offenbar alles Leben in einer Symbiose miteinander existiert. Eine
Symbiose, die durch die Gier der Menschen nach Rohstoffe in Gefahr gerät.
Das Problem: Nach etwa
20 Minuten Laufzeit steht fest, worauf Cameron hinaus will. Natürlich
will er zeigen, wie die einfachen, aber ehrlichen Na’vi von den bösen
Menschen ausgebeutet werden. Und natürlich kommt es irgendwann zu einem
Konflikt. Aber warum muss all das über 100 Minuten dauern, wenn doch
schon nach ein paar Minuten klar ist, wie die Geschichte verlaufen wird?
Dass der Film, seinen
Schwächen zum Trotz, dann doch noch zum Kinoereignis des Jahres 2009
mutiert, ist einfach der Tatsache zu verdanken, dass Cameron einige Überraschungen
bereit hält. Die Idee der Lebensweltsymbiose beispielsweise wird zum
integralen Handlungselement. Und wenn es zur Konfrontation der Na’vi mit
den Menschen kommt – dann reißt Cameron die Zuschauer wirklich mit und
lässt ein 3-D-Feuerwerk auf die Zuschauer niederprasseln, wie es das Kino
nicht gesehen hat. Überhaupt ist in Bezug auf die Dreidimensionalität
der Inszenierung anzumerken, dass sich Cameron überraschend zurückhält.
Das ist der Unterschied zwischen einem George Lucas und James Cameron: Wo
Lucas einst in „Star
Wars – Episode 1“ jede Einstellungen mit Effekten füllte
und den Effekt so zelebrierte, dass er darüber eine Handlung vergaß,
bleibt der Effekt in Camerons Film doch immer Teil eines ästhetischen
Gesamtkonzeptes. Man vergisst manchmal die Dreidimensionalität, eben weil
sich Cameron nicht davor scheut sich zurückzunehmen – um es dann in den
richtigen Momenten krachen zu lassen.
Getragen wird der Film
von Hauptdarsteller Sam Worthington, der inzwischen zum
Effekt-Schauspieler Nummer 1 avanciert sein dürfte, nachdem er bereits in
„Terminator 4“ (siehe unten) Hauptdarsteller Christian Bale alt
aussehen ließ: Der Australier gibt eine glänzende Vorstellung. Und auch
Hauptdarstellerin Zoë Saldana, die unlängst als Lieutenant Uhrura in „Star
Trek“ Spuren hinterließ, bietet eine ansprechende Leistung
– auch wenn sie den gesamten Film über nur unter einer ausschließlich
am Computer entstandenen Maske zu sehen ist. Die meisten Sympathiepunkte
darf Sigourney Weaver für sich verbuchen. Die Actionheroin aus Camerons
SciFi-Meisterwerk „Aliens“ gibt als kettenrauchende Wissenschaftlerin
eine herrlich politisch unkorrekte Vorstellung, während Stephen Lang den
Fiesling als miesen Kommisskopp präsentiert.
„Avatar“
lässt es krachen, transportiert eine nette Ökobotschaft und präsentiert
ungewöhnliche Effekte. Nur der ganz große Wurf ist er am Ende nicht
geworden. Gute Unterhaltung ist er, einer eher lahmen ersten Hälfte steht
eine gelungene zweite Hälfte gegenüber, es überwiegt der positive
Gesamteindruck. Nur von einer Kinorevolution ist „Avatar“ weit
entfernt. Möglicherweise hat die Vermarktungsindustrie am Ende die
Erwartungen in Sphären getrieben, die der Film schlicht nicht erfüllen
kann.
Anmerkung: Diese Kritik
wurde direkt zum Filmstart verfasst. Inzwischen ist bekannt, dass ich
mich gewaltig geirrt habe. Der Film hat doppelt so viel Geld
wie "Titanic" eingespielt und seit seinem Triumpfzug wird 3-D in den
Kinos groß geschrieben. So groß, dass 2012 besagte
"Titanic" noch einmal über die Meere schippern wird. In 3-D. Mal
schauen, wie der die Kassen klingeln lassen wird.
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TERMINATOR – DIE ERLÖSUNG.
Ot: Terminator –
Salvation. Regie: McG. Mit Christian Bale, Sam Worthington, Anton Yelchin,
Moon Bloodgood, Helena Bonham Carter. Start: 4. Juni 2009 (Sony)
Mit Teil vier der “Terminator”-Reihe
beginnt eine neue Trilogie. Doch was 1984 mit einem inzwischen zum
Klassiker avancierten Genrekracher begann und Filmgeschichte geschrieben
hat, entwickelt sich unter der Regie des ehemaligen Videoclip-Regisseurs
McG zu einem enttäuschend Big-Budget-Spektakel. In diesem Spektakel mag
es zwar alle fünf Minuten irgendwo gewaltig krachen oder knirschen, nur
wirklich Spannung will einfach nicht aufkommen.
Es ist nicht so, dass
„Terminator – Die Erlösung“ ein rundum schlechter Film ist. Er kann
durchaus Punkte auf der Habenseite verbuchen. Da ist zum Beispiel der
hierzulande noch weitgehend unbekannte australische Schauspieler Sam
Worthington. Worthington ist Marcus Wright, ein Mörder, der 2003
hingerichtet wird, 2018 aber wieder zum Leben erwacht – in einer Welt,
in der die Apokalypse gewütet hat. Die Menschheit wurde von Maschinen überrannt,
in einem aussichtlosen Krieg stehen sich die letzten Armeen und eine
Roboterstreitmacht gegenüber. Marcus Wright erwacht nicht nur in einer
ihm vollkommen fremden Welt, er ist darüber hinaus auf der Suche nach
Antworten. Antworten auf Fragen wie – warum lebt er noch und warum ist
er in den letzten fünfzehn Jahren nicht einen Tag gealtert? Auf der
anderen Seite steht John Connor (Christian Bale). Connor ist der Prophet
der kommenden Zeiten. Geboren 1985 als Sohn eines Mannes aus der Zukunft,
liegt das Schicksal der Welt in seinen Händen. Marcus Wright spürt, dass
sein Schicksal mit dem von John Connor verbunden ist, daher begibt er sich
auf die Suche nach ihm.
McG, der bislang vor
allem durch cineastische Umweltverschmutzung wie „Drei Engel für
Charlie“ berüchtigt war, bemüht sich redlich. Er lässt in seinem
Effektegetümmel Sam Worthington viel Platz, um einen überaus komplexen
Charakter zu entwickeln, der letztlich den Film trägt. Was dringend
notwendig ist, denn in Bezug auf Spannungsaufbau zeigt „Terminator –
Salvation“ dem Zuschauer in schockierender Weise, wie man so etwas nicht
macht! Nur weil ein paar Leute durch eine Wüste fahren, in der böse
Roboter ihr Unwesen treiben, ist ein solcher Road Trip nicht automatisch
auch schon spannend. Es ist zwar nett anzuschauen, wenn ständig Gebäude,
Autos, Riesenterminatoren in die Luft fliegen, aber das ergibt noch keine
Spannung, wenn man doch nie im Gefühl hat, dass den Figuren wirklich was
Böses zustoßen kann. Wenn dann ein solcher Road Trip die Hälft der
Spielzeit einnimmt, kommt irgendwann Langeweile auf. Auch der viel zu sehr
in die Länge gezogene Showdown zeigt einige gravierende Unzulänglichkeiten
in Bezug auf den Spannungsaufbau auf.
Zwar legte der Film mit
einem Einspielergebnis von rund 56 Millionen Dollar einen hervorragenden
US-Start hin, bei Produktionskosten von 200 Millionen aber dürfte die Ernüchterung
bei den Produzenten groß gewesen sein, belegten sie doch nur einen
zweiten Platz hinter „Nachts im Museum 2“, der 70 Millionen in die
Kassen der Finanziers spülte. chl
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