FILMKRITIK Scream - Schrei
OT: Scream. USA 1996. Regie: Wes Craven. Mit Neve Campbell, David Arquette,
Courtney Cox, Jamie Kennedy, Drew Barrymore.
Bundesstart: 30.Oktober 1997 (Kinowelt; diese Kritik entstand anlässlich des
Kinostarts 97)
"Scream" war der Sensationshit des Jahres 1996. Allein in den USA hat der
von Horrormeister Wes Craven (Foto) inszenierte und mit einem Minibudget
beworbene Film, der nur aufgrund einer starken Wes-Craven-Fangemeinde überhaupt
in den US-Kinos gezeigt wurde, rund 120 Millionen Dollar eingespielt. Und
um eines gleich vorweg zu sagen: Er hat jeden Cent davon verdient! "Scream",
der mit einem Jahr Verspätung nun endlich auch in Deutschland zu sehen
ist, ist der grandioseste Thriller der 90er Jahre! Dabei ist die Geschichte
nicht neu: Auf einer High School geht ein Serienkiller um. Seine Opfer sind
ausschließlich gerade der Pubertät entronnene Schülerinnen
und Schüler. Filme wie "Halloween" (1978)
oder Wes Cravens eigener Beitrag zum Genre, "Nightmare On Elm Street" (1984),
erzählten bereits vor Jahren Geschichten dieser Art. Dabei verliefen
diese grundsätzlich nach Schema F: Jugendliche kommen irgendwo zusammen.
Diejenigen, die rauchen, fluchen und möglicherweise noch Sex haben, werden
vom Killer gemeuchelt, die keuschen, unschuldigen überleben das Gemetzel.
Regisseur Wes Craven setzt nun gezielt darauf, dass das Publikum seine Vorbilder
kennt. Ganz bewusst und für jeden erkennbar, zitiert er die genannten
Filme, oft sogar mit Hilfe von Videoeinspielungen, um auch wirklich dem letzten
Besucher seines Filmes klar zu machen, dass er an dieser oder jenen Stelle
aus einem anderen Film kopiert.
Damit erzielt er den Effekt, den Zuschauer in vollkommener Sicherheit zu
wiegen. Die Vorbilder sind ja bekannt. Doch genau an dieser Stelle packt er
zu: Funktioniert sein Film einmal exakt nach den bekannten Schemata, verstößt
er im nächsten Moment eklatant gegen jede bestehende Regel. Dabei verliert
er sich nicht eine Sekunde im reinen Zitieren anderer Filme. Jedes Zitat
ist mit bedacht ausgewählt, jeder Verweis dient ausschließlich
dazu, die eigene, nervenzerfetzende Geschichte voranzutreiben. Wer ist das
nächste Opfer, wer ist der Killer? Was ist sein Motiv? Hat er eines?
Bis zur letzten Sekunde hält Craven den Zuschauer in Atem, ohne eine
einzige Antwort auf eine der Fragen zu liefern - um den Film schließlich
mit dem irrsinnigsten Finale dieses Jahrzehnts enden zu lassen."Scream" ist
Wes Cravens ultimatives Meisterwerk!
fünf von fünf Punkten
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FILMKRITIK
Mörderische Freunde
Ot: Dead Man's Curve. USA 1999. Regie: Dan Rosen. Besetzung: Matthew
Lillard,
Randall Batinkoff, Michael Vartan, Tamara Craig, Keri Russel.
Bundesstart: 17. September 1998 (TiMe; diese
Kritik entstand anlässlich des Kinostarts)
Tim, Chris und Rand teilen sich auf einem College
ein Zimmer. Sie alle verbindet ein Traum: Ein Studium in Harvard. Obwohl
sie gute Noten haben, reichen diese für ein Studium an der Eliteuniversität
jedoch nicht aus. Um in Harvard studieren zu dürfen, brauchen sie
einen glatten Einser-Durchschnitt. Doch trotz ihrer Leistungen scheint
dieser unerreichbar. Bis Chris in der Schuldordnung ihres Colleges eine
Klausel entdeckt. Dort heißt es: Begeht ein Schüler Selbstmord,
bekommen seine Zimmernachbarn, um den emotionalen Schock abfedern zu können,
eine glatte Eins. Wie sie diese Note erhalten haben, fällt unter den
Datenschutz, niemand wir es je erfahren.
Dies ist die Ausgangssituation von "Mörderische Freunde", dem
Regiedebüt des amerikanischen Regisseurs und Drehbuchators Dan Rosen.
Und natürlich kann man sich vorstellen, was nun geschieht: Chris und
Tim überlegen sich, daß Rand einen idealen Selbstmordkandidaten
abgeben würde. Rand ist oft depressiv und leidet unter extremen Gemütsschwankungen.
Als er dann auch noch erfahren muß, daß seine Freundin schwanger
ist, ist für Chris und Tim der Moment gekommen, Rand von einer Klippe
aus in den Tod zu stürzen.
Der Plan gelingt, die Eins ist ihnen sicher - wäre nur Rands Leiche
auffindbar. Und als reichte dies nicht aus, beginnt Tim plötzlich
Hinweise auf ein Verbrechen auszustreuen, die direkt in Richtung Chris
weisen.
"Mörderische Freunde" ist ein gemeiner, kleiner, mit einem geringen
Budget inszenierter Thriller, der sich in der Tradition von "Scream" und
"Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast" bewegt, und das nicht
nur, weil Tim-Darsteller Matthew Lillard bereits im ersten "Scream" eine
Hauptrolle spielte. Auch in "Mörderische Freunde" wechseln die Personenkonstellationen
von einer Sekunde zur nächsten. Glaubt man gerade die wahre Geschichte
hinter dem Mord erkannt zu haben, bekommt der Film eine Wendung, die man
so nicht vorhergesehen hat. So ist relativ schnell klar, daß der
Mord nur ein Teil eines Puzzles darstellt. Doch wie sieht dieses Puzzle
in seiner ganzen Größe aus? Um dies zu erfahren, muß man
bis zum Finale dieses überraschend spannenden Filmes warten, das hält,
was die Geschichte bis zu diesem Punkt versprochen hat.
vier von fünf Punkten
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FILMKRITIK Scary Movie
OT: Scary Movie. USA 2000.
Regie: Keenan Ivory Wayans. Mit Marlon Wayans, Jon Abrahams, Shannon Elisabeth,
Anna Faris, Kurt Fuller, Regina Hall, Shawn Wayans.
Bundesstart: 5. Oktober 2000 (Highlight; diese
Kritik entstand anlässlich des Kinostarts). Der parodierte Film. In den späten 70-er und
den folgenden 80-er Jahren stand das Autorenteam Zucker/Zucker/Abrahams
als Synonym für diese spezielle Form der Komödie. „Die unglaubliche
Reise in einem verrückten Flugzeug“ hieß ihre geniale Parodie
auf den Katastrophenfilm, die ihren den Durchbruch bescherte. Den Olymp
aber bestiegen sie erst 1987 mit ihrem Meisterwerk „Die nackte Kanone“,
der ultimativen Kriminalfilmparodie schlechthin. Seither ist es um dieses
Subgenre der Komödie ruhig geworden. In den Gebrüdern Wayans
aber haben Zucker/Zucker/Abrahams würdige Nachfolger gefunden. Nachdem
ihre Black-Cinema-Parodie „HipHopHood“ vor drei Jahren in Deutschland leider
fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit in den Kinos gezeigt wurde,
dürfte ihnen mit ihrem neuen Film „Scary Movie“ nun auch im Land der
Dichter und Denker der Durchbruch gelingen. Geschrieben haben den Film
Marlon und Shawn Wayans, die beide auch in Hauptrollen zu sehen sind, inszeniert
hat ihn ihr ältester Bruder Keenan Ivory.
„Scary Movie“, das ist nichts anderes als „Scream“ - nur in parodierter
Form. Der Killer trägt einmal mehr eine Edvard-Munch-Maske sowie einen
schwarzen Ganzkörperumhang und er dezimiert wieder einmal die Schülerzahl
einer durchschnittlichen amerikanischen Vorstadt-Highschool. Dabei hat
er es im Besonderen auf eine Clique abgesehen, die vor einem Jahr einen
tödlichen Unfall vertuscht hat (was doch verdächtig an „Ich weiß
was du letzten Sommer getan hast“ erinnert). Der Rest ist eine Strapaze
für das Zwerchfell – vorausgesetzt, man mag „unterirdischen“ Humor.
So haben die meisten Gags entweder mit Sex, Darmwinden oder anderen Körperflüssigkeiten
zu tun. Wer diese Art von Humor nicht mag – sollte einen großen Bogen
ums Kino machen. Wer zuletzt jedoch Filme wie „Verrückt nach Mary“
oder „American Pie“ geliebt hat, wird auch „Scary Movie“ heiß und
innig lieben. Wer nun noch ein Faible für Genre-Parodien hat, wird
am Zitaten-Raten seinen Spaß haben. „Scream 2“, „Blair Witch Project“
und “Matrix” sind nur drei weitere Filme, die neben dem Original-„Scream“
gnadenlos durch den Kakao gezogen werden, wobei gerade im Fall der technisch
brillant umgesetzten „Matrix“-Parodie das inszenatorische Können von
Keenen Ivory Wayans ins Auge sticht. drei
von fünf Punkten
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