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DIE DRITTBELIEBTESTE SERIE DER WELT
Teheran liebt „Baywatch“
Geht es um den weltweiten Einsatz von
Fernsehserien, haben US-Produktionen nach wie vor die Nase vorn. Es gibt kaum
ein Land, in dem keine US-Serien zu sehen wären. Außer vielleicht Nord-Korea.
Andererseits: Selbst in Ländern wie dem Iran, denen zumindest auf politischer
Ebene nun wirklich nicht eine freundschaftliche Nähe zum American Way of Life
nachgesagt werden kann, werden US-Serien ausgestrahlt. „Baywatch“ war dort
übrigens mal eine äußerst beliebte Serie. Aber das nur am Rande.
Der Kulturpessimist wird nun natürlich wieder
lamentieren, dass die Amerikanisierung der Medien letztlich die eigene
kulturelle Identität zurückdrängt und am Ende statt kultureller Vielfalt ein
Einheitsgeschmack stehen wird. Solche Diskussionen werden allerdings schon seit
den Kindertagen des Fernsehens geführt. Und sie stellen letztlich nur einen
Teil jenes Konstruktums dar, das wir kulturelle Identität nennen.
Tatsache
ist, dass die Qualität amerikanischer Fernsehserien in den letzten zirka 15
Jahren eine Entwicklung vollzogen hat, die man durchaus als atemberaubend
bezeichnen darf. Natürlich ist nicht alles, was aus den USA kommt, Gold. Ein
unerträglicher Hurra-Patriotismusmüll wie „J.A.G.“ zum Beispiel gehört
zerschreddert, in die Müllkiste der televisionären Geschichte geworfen, in den
Abgrund des Vergessens befördert.
Trotzdem
brachte es diese Werbefilmserie fürs US-Militär, die Liberalismus bespukte und
amerikanischen Größenwahn zelebrierte, zwischen 1995 und 2005 auf zehn
Staffeln.
Doch
einer Absonderung wie „J.A.G.“ stehen herausragende Serien wie „Akte X“,
„24“, „Ally McBeal“, „E/R“, „Chicago Hope“, „Cold Case“,
„Monk“, „Six Feet Under“, „Boston Legal“, „Heroes“ oder
„Dexter“ gegenüber. Serien, die vollkommen unterschiedlichen Genres angehören
und kaum miteinander zu vereinbarende Zuschauerschichten ansprechen.
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Und
dennoch haben all diese Serie eines gemeinsam: Sie haben in den letzten Jahren
das internationale Fernsehspiel geprägt. Sie haben neue narrative Strukturen
etabliert, sie haben neue Qualitäten in Bezug auf TV-Schauspiel festgelegt. Längst
setzen in den USA Fernsehserien Maßstäbe bezüglich der Optik, des Schnitts,
des Einsatzes von Effekten. Und das nicht etwa auf Mittelmaß, sondern auf höchsten,
nach wie vor steigendem Niveau.
Wer
also die USA kritisiert, da sie mit ihren Serien inzwischen eine recht
eindeutige Vormachtstellung weltweit genießen, sollte einmal einen Blick auf
heimische Produktionen werfen. Selbst hoch gelobte Produktionen wie der alt ehrwürdige
„Tatort“ erreichen selten ein Niveau, das über gediegene
Fernsehspielunterhaltung hinaus geht. Einzig die Kriminalserie „KDD“ hat in
den letztentiver Jahren in Teutonia einige Spuren hinterlassen können,
wenn man denn einmal den Weg konventioneller Geschichten verlässt und nach
einer Serie sucht, die eigene Pfade verfolgt und sich wirklich gewagt hat, mit
den Erwartungen des Publikums zu spielen. Natürlich gibt es auch aus deutscher
Produktion bodenständige, anständige Serienunterhaltung, aber eben nur eine
Serie, die sich gewagt hat, "anders" zu sein. Das ist nicht
viel.
Das
monegassische TV-Festival 2008
Auf
dem
Monte-Carlo
Television Festival,
das vom 9. bis 11. Juni 2008 in Monaco stattfand, versammelte sich alles, was in
der Welt der TV-Produktionen Rang und Namen hat. Im Rahmen des Festivals stellte
die Firma Eurodata
TV Worldwide schließlich ein Ranking der beliebtesten TV-Serie weltweit auf.
Anhand von Erhebungsdaten aus 51 Staaten mit 1,6 Milliarden Einwohnern belegte
„Dr. House“ in der Kategorie „dramatische Serie“ den dritten Platz.
Nicht schlecht für eine Serie, deren erste Staffel inszenatorisch noch eher zu
den simpel gestrickten Fernsehproduktionen gehörte und in Bezug auf Kulissen,
Kostüme, Schauplätze im Vergleich zu anderen TV-Reihen recht limitiert zu
Werke gehen musste. Tatsächlich gehörte die Serie bei ihrem Start nicht zu den
teuer beworbenen Hochglanzprodukten einer neuen Fernsehseason, sondern eher zu
den Serien aus der zweiten Reihe.
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Vergleichsweise günstig in den Produktionskosten,
vom Sendeplatz her flexibel einsetzbar, ohne allzu große Erwartungen. Manchmal
sind es eben die Serien aus der zweiten Reihe, die den großen
Hochglanzprodukten die Show stehlen. Und „Dr. House“ ist eine solche Serie,
was sich Hugh Laurie inzwischen fürstlich bezahlen lässt. Eine Summe von
300.000 Dollar pro Episode, spekulieren TV-Experten, dürfte er pro Auftritt
erhalten! Er ist schließlich nicht nur das Herz der Serie, wahrscheinlich ist
er auch noch ihre Leber und Milz. Ohne Hugh Laurie kein „Dr. House“.
Geschlagen wurde die Serie in
Monte Carlo übrigens nur von zwei Jerry-Bruckheimer-Produktionen. Nämlich „CSI“
und „CSI: Miami“. In der Kategorie Drama haben somit drei Serien, die in
Deutschland auf RTL gezeigt werden, die Nase vorn. Interessant ist in diesem
Zusammenhang die Tatsache, dass auch „CSI“ einst als eine TV-Serie an den
Start ging, der Fernsehexperten kein allzu langes Leben prophezeiten. Heute gilt
„CSI“ – zumindest fürs Kriminalgenre – als die einflussreichste
TV-Serie der Gegenwart. Im Triumvirat an der Spitze wurde allein „CSI:
Miami“ von Anfang an knallhart als TV-Blockbuster – mit hohem Budget und großem
Werbeetat - geplant. Mit einer megaerfolgreichen Schwesterserie wie „CSI“
aber standen die Voraussetzungen dafür wirklich günstig. Und dass eine solche
Planung nicht zwangsweise zum Erfolg führen muss, belegt „CSI: New York“,
die dritte Serie, die es nicht in die Spitzengruppe geschafft hat. Für die
Macher von „Dr. House“ ist dies natürlich nicht uninteressant, denn schließlich
planen auch sie einen Ableger ihrer Erfolgsserie und „CSI: Miami“ zeigt, wie
man so etwas machtt.
Übrigens: Die amerikanische
Vormachtstellung im Serienfernsehen ist nicht zementiert. In der Kategorie der
beliebtesten Seifenopern weltweit belegte zwar „The
Bold and The Beautiful“, in Deutschland dem ZDF-Publikum besser als „Reich
und schön“ bekannt, den ersten Platz. Mit „Destilando
Amor“ und „Marina“ folgten auf
den Plätzen zwei und drei, man höre und staune, zwei mexikanische
Produktionen!
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